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Archiv für die Kategorie ‘Schwules

Wir gegen Die

Ich bin empört über den Auftritt von Bushido vom Wochenende (als er bei einem Anti-Gewalt-Konzert schwulen Gegendemonstranten den Mittelpfinger zeigte und deswegen vom Publikum auch noch Applaus bekam). Empört bin ich aber auch, nicht zum ersten Mal, über Jan Feddersen. Der hat in der taz mal wieder gehörig den Verstand verloren.

Bushido dürfe sich homophobe Äußerungen erlauben, so Feddersen in einem Kommentar, „weil er durch das Bild vom guten, antirassistisch bedürftigen Migranten geschützt wird“. Das „Irgendwie-ausländisch-Sein“ gelte als „Generalpardon“ für alles. Das ist Blödsinn, Gesetze gelten für Inländer, Inländer mit Migrationshintergrund und Ausländer gleichermaßen. Was man sich abseits der Gesetze erlauben darf, ist schwierig zu definieren, betrifft im Falle von homophoben Äußerungen aber auch CDU-Politiker, TV-„Komiker“ usw.

Vielmehr ist doch das Problem, dass ein Großteil der Gesellschaft, der ansonsten durchaus homofreundlich sein kann, homophobe Sprüche nicht sonderlich ernst nimmt. Schaut man die TV-Bilder vom Samstag, so waren es vor allem weiße Mittelstandskids, die dem Pseudo-Gangster-Rapper zujubelten. Feddersen sollte auch erkennen, dass es Inländer ohne Migrationshintergrund sind, die Bushido den Skandal am Wochenende erlaubten und die generell an ihm verdienen (der Chefredakteur der Bravo, die Plattenbosse von Sony, die dümmlichen Moderatoren von Viva etc.)

Aber das stört Feddersen und einige Gleichgesinnte wenig, der Kreuzzug gegen Migrationshintergründe geht weiter. „Als ob nicht gerade Jugendliche mit migrantischen Hintergründen überwiegend, nicht allein in Berlin, für die Unruhen auf Schulhöfen und in Klassenzimmern einzustehen haben – und der Berliner Entertainer Bushido ist deren Held“, was nicht bewiesen wird. Noch krasser: „Alle seriösen Zahlen sagen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund weniger unter Gewalt zu leiden haben wie beispielsweise homosexuelle Jugendliche.“

Nun gibt es da eigentlich nur die Maneo-Studie zu schwuler Gewalt, die aufgrund ihrer extremen Mängel (etwa: 75 Prozent entfallen allein auf Belästigungen/Beleidigungen, weitere 12 Prozent auf Eigentumsdelikte; 5.3 Prozent der „Gewalt“ (!) fand durch Internet oder Briefpost statt; 17,4 Prozent gaben an, bei der homophoben Gewalt nicht als schwul erkennbar gewesen zu sein) nicht ernsthaft als Diskussionsgrundlage und Vergleichsstudie dienen kann.

Jedenfalls scheint das Wir-gegen-Die-Denken einiger Schwuler in Berlin eine neue Stufe erreicht zu haben: den Migrationskids, die fälschlicherweise als Haupttäter von Gewalt ausgemacht werden, wird nun abgesprochen, auch Opfer von Gewalt zu sein. Dabei dürften die bei allen von Maneo ausgemachten Gewaltarten als Opfergruppe weit vorne liegen, und auch bei Gewaltarten, die Maneo nicht berücksichtigt, etwa „strukturelle Gewalt in Form von Benachteiligungen im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt, in der kulturellen Repräsentation“ oder im sozialen Niveau, wie sie ein taz-Leser auflistete.

Bleibt die Frage, ob Feddersen demnächst noch auf die Idee kommt, dass Migranten Schwulen die Arbeitsplätze wegnehmen. Die faktenlose Verleumdung einer Minderheit bzw. Volksverhetzung hat er jedenfalls schon gut drauf. Aber als taz-Redaktionsschwuchtel hat er vermutlich ein Generalpardon.

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  • Ironie

    Jahrelang habe ich als Journalist für ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz gekämpft. Und jetzt habe ich in meinem Elternhaus lesbische Mietnomadinnen.

    CSD Nürnberg

    Dass ich nun ausgrechnet in Bayern Franken das schönste CSD-Straßenfest der letzten Jahre erleben sollte, hatte ich nun auch nicht erwartet. Die Parade war was zwar kurz (für Rheinländer: wie hier in Düsseldorf), das Fest machte das aber mehr als wett: hübsch auf dem Jakobsplatz gelegen, eingebettet zwischen zwei Kirchen, ausgestattet mit unzähligen Bierbänken vor der Bühne und einem wahrlich multikulturellen Programm.

    So riss Ole Lehmann ein paar Witze über Kölner im allgemeinen und die auch mir schon unangenehm aufgefallene Kioskfrau im Kölner Hauptbahnhof im speziellen. Die farbige Sängerin Felicia Peters mit guter Stimme und einer breiten Song-Auswahl begeisterte das Publikum, zumal die geborene Amerikanerin, die jetzt in Fürth lebt, in ihren Moderationen lustig zwischen Amerikanisch und regionalem Dialekt wechselte. Dazu gab es eine lustig moderierende Dragqueen, die auch noch Trash-Karaoke brachte („Griechischer Wein“). Ohnehin: Trash oder Tuntenklassiker singende Dragqueens sind Stimmungsgaranten, wer braucht da schon „echte“ Stars wie auf einem großen CSD.

    Berliner werden sie vermutlich schon kennen, aber ich bin beim CSD erstmals auf Gloria Viagra gestoßen, die mit ihrer Band Squeezebox eine Playlist brachte, wie ich sie selbst auf schwulen Indie-Partys nicht mehr geliefert bekomme: The White Stripes, Green Day und Radiohead. „Creep“. Wie toll war das denn? Schade, dass Gloria abrupt von der Bühne musste, um zum Programmpunkt „Pause“ bzw. zur Messe nebenan zu kommen. Und schade, dass es danach nur einen DJ mit Schrott gab.

    Hier mein Handyvideo: Gloria singt „Seven Nation Army“ von den White Stripes. Nebenbei sieht man hier die ulkigen T-Shirts der hiesigen Jugendgruppe: „Ich bin das rosa Schaf der Familie“ mit Hand abknickendem Schaf. Süß.


    Kein Ton? Direktlink

  • 3 Kommentare
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  • Reaktionen

    Zu Christian: In seinem Blog erzählt er heute über zwei Männer aus New York und Chicago, die sich über Videobotschaften bei youtube kennengelernt haben. Das ist durchaus nett. Besser ist die folgende Geschichte, auch wenn sie hetero ist und möglicherweise Fiktion, aber all die Sausages, kuriosen Akzente und ohnehin die ganze Geschichte sind einfach göttlich:


    (falls kein ton oder video oder mehr interesse, hier eine unzensierte fassung)

    Zur FAS: Eine Ausgabe ohne längeren Text von Johanne Adorján ist schade. Nett die Idee von Nils Minkmar, fürs Internet eine Löschtaste für nervige Boulevard-Themen (Paris Hilton, Nicole Richie etc) einzuführen. Hätte sowas gerne aber auch für Print, vor allem für den großen Text direkt neben der Kolumne. Ich muss wirklich nicht mehr lesen, dass „24“ ganz großes Kino ist, wie bestimmt schon fünzigmal auf der FAS-Medienseite. Diese verflachende Stelle hat früher immerhin mal Stefan Niggemeier gefüllt. Und was ich gar nicht mehr lesen kann ist die angebliche Begeisterung von Medienredakteuren für DVD-Boxen. Auch wenn der Autor kurz Downloads erwähnt, müsste er am Schluß des langen Blubbertextes gefühlte 100 DVD-Boxen zuhause stehen haben. Etwas mehr Ehrlichkeit (und nebenbei auch etwas mehr Eintreten gegen die Kampagnen von Industrie und Staat gegen „Internet-Piraterie“) tätem dem Profi-Journalismus auch mal ganz gut.

    Little Albtraum

    Habe ich das nur schlecht geträumt oder gibt es tatsächlich eine russische (und von der BBC nicht genehmigte) Version von „Little Britain“? Bei der man den Eindruck haben muss, dass der einzige Schwule auf dem Dorf wirklich der einzige ist, tatsächlich Mitleid verdient und nur Spott erntet? Eine erschreckende Szene aus „Nasha Russia“:

    (falls kein ton oder video: Youtube-Direktlink)

    Oder ist der schwulenfreundliche Humor nur „lost in translation“? Aber wer weiß das schon, die ebenfalls nicht offizielle israelische Version versteht man schließlich auch nicht. David Walliams und Matt Lucas arbeiten derzeit übrigens an einer „Little Britain“-Staffel für den US-Sender HBO.

    Europride Madrid (mit Video)

    Vor drei Wochen habe ich den Europride in Madrid besucht, der mir trotz einiger negativer Erlebnisse (dazu später mehr) gut gefallen hat. Nebenbei habe ich für die mitgereisten Freunde ein Urlaubsvideo gedreht. Nun gibt es für meine Blogfreunde eine Kurzfassung. Nunja, sie ist nicht wirklich kurz und enthält oft schlechtere Szenen an Stellen, an denen ursprünglich meine zunehmend betrunkenen Freunde zu sehen waren. Trotzdem dürfte das Video einen netten Eindruck von der CSD-Parade geben. Ach ja: die ganzen halbnackten Jungs auf ihren großen Wagen kommen erst nach dem politischen Teil der gut fünfstündigen Parade.

    Europride Madrid 2007
    Real Video, 21 Min, 107 MB (am besten erst lokal speichern)

    Was mir schon bei meinem Video zum CSD in Hamburg 2006 auffiel: es ist bemerkenswert, wie man fast jede Art von Musik zur Parade drunterlegen kann und die Leute bewegen sich trotzdem fast immer im Takt. Beim Madrid-Video noch beachtenswert: wie zahlreiche Frauen durch ihre Bewegungen verhindern, dass der nackte Mann mit der Flagge gänzlich ins Bild kommt.

    Was ist Kriminalität?

    RheintreppeIn Düsseldorf vor allem „aggressives Betteln“, „störender Alkoholgenuss“, „Lagern in Gruppen“ sowie „herumlungernde Jugendliche“. Das galt für den OSD unter Joachim Erwin und für den Hauptbahnhof und bestimmte Teile der Innenstadt schon immer, soll jetzt aber unter der Hinzuziehung der Polizei auch für den Burgplatz und besonders für die Rheintreppe gelten. Es soll mehr Streifen geben, von Polizei und OSD in Uniform und zivil, dazu ist ein Bierverbot für den Bereich ebenso geplant wie eine Videoüberwachung. Zwar wird das auch mit zunehmendem Drogenverkauf begründet, der wenigstens eine Straftat ist (die Kriminalstatistik hat insgesamt abnehmende Zahlen), aber die oben genannten Delikte aus der Lokalpresse machen doch deutlich, worum es dem zwar halbtoten aber immer noch aggressiven Oberbürgermeister wirklich geht: der Vertreibung von unerwünschtem Handeln. Drogensüchtige und mit Supermarkt-Bier feiernde Jugendliche innerhalb des Kommerz-Viertels Altstadt, die angeblich die Bürger verschrecken, sind die wahren Kriminellen (Versuchte Steuerhinterziehung, politische Amtsanmaßung, Volkshetzte, Vetternwirtschaft, Steuergeldverschwendungen usw. bleiben freilich erlaubt, das hat ja schon die Staatsanwaltschaft in allen nicht weiter geführten Ermittlungen gegen Erwin so entschieden.) Wenn die Düsseldorfer CDU mit einem neuen Oberbürgermeister diese Vertreibungen so weiter macht, hat diese Stadt irgendwann nichts lebendiges, liebenswürdiges, originelles mehr.

    Dass das anders geht, zeigte der CSD am letzten Wochenende. Die SPD-Oberbürgermeisterkandidatin bei der letzten Wahl, Gudrun Hock, fuhr bei der CSD-Parade mit (was hier ja sonst kaum jemand tut), unterhielt sich auf den Straßenfest mit vielen Leuten und gab Interviews, in der sie betonte, wie toll es sei, eine schwule Szene zu haben – während die offizielle Stadtverwaltung den CSD nirgendwo erwähnte und mit Tricks mal wieder zu schikanieren versuchte. Eine kleine Episode: Als der Hocksche Paradewagen für längere Zeit vor dem Brauhaus Uerige stand, ließ sich Hock unauffällig vom Köbes Alt-Gläser für sich und ihre Begleiter bringen. Dann suchte sie ihre Handtasche, kramte die Geldbörse raus und bezahlte das Bier selbst.

    Ich könnte die SPD mal wieder kreuzigen, dass sie diese kompetente, sympathische und sogar integre Frau bei der vermutlich vorzeitigen OB-Neuwahl nicht mehr aufstellen will.

    Notizen

    WZ Düsseldorf: „Panne: Die CSD-Parade soll dem Bücherbummel ausweichen.“ Seufz. Ist es zynisch, angesichts des kritiklosen Gejubels über die Städtepartnerschaft zwischen Moskau und Düsseldorf und dem Moskauer Vorgehen gegen CSDs zu vermuten, dass sich da die richtigen gefunden haben?

    Das offizielle Polen befürchtet nicht nur, die Teletubbies seien schwul. Jetzt wird auch noch ein schwuler Priester aus „Little Britain“ rausgeschnitten. Humor ist, wenn man nichtmal trotzdem lachen kann.

    Hab heute den aktuellen Musikexpress gelesen und diesen TV-Tipp für letzten Sonntag leider zu spät entdeckt. Ihr Redakteure aus der Rheinstadt München, ihr habt nicht zufällig einen Mitschnitt für mich?

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