Nobbis Blog

I started something i couldn’t finish

Archiv für die Kategorie ‘Manchester

Northern women

Ich könnte denen ewig zuhören.

[Nachtrag: hier war mal ein schöner Ausschnitt aus einer Folge von „Coronation Street“ aus den 60er Jahren. Irgendein liebloser Mensch von ITV hat sich aber an Youtube gewandt, mit dem Hinweis auf eine Copyright-Verletzung, und ein ebenso liebloser Mensch bei Youtube hat das Video dann gelöscht.]





Anmerkungen

1. Da gibt es also eine neue Studie, wonach fast 80 Prozent türkischstämmiger, männlicher Jugendlicher es abstoßend finden, wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen. Dass bei Jungen aus der ehemaligen Sowjetunion auch kein größeres Verständnis existiert und dass vor allem 48 Prozent der deutschen Jungs die gleiche Haltung haben, ist allerdings untergegangen. LSVD und andere Stimmen forderten aufgrund der Studie ein gezieltes Vorgehen bei Migranten.

Das alles verstärkt den Eindruck, dass sich schwule Verbände, Politiker und Journalisten (Feddersen), nachdem das Theme Homo-Ehe durch ist, bewusst über die Angst vor Islamismus profilieren wollen. Soll mir keiner erzählen, das wäre ungefährlich und akzeptabel. Es passt aber in die Zeit: der Islam ist wohl das einzige Thema, das derzeit zunehmend von Political Correctnes ausgenommen wird.

2. PC gone wrong auch in Düsseldorf: Ein grenzwertiger, aber satirischer Scherz von Manes Meckenstock hat dazu geführt, dass seine Stimme auf Antennte Düsseldorf und im WDR verstummt ist. Eine wichtige Stimme, denn Meckenstock hat immer deutlich Stellung bezogen, gegen Ausländerfeindlichkeit genauso wie gegen den hiesigen Oberbürgermeister.

3. Anderes Thema. Dazu möchte ich ganz gerne so schnell wie möglich auf einer der schwulen Indie-Discos tanzen:

The Wombats – Let’s Dance To Joy Division (Direktlink)

4. Apropos Joy Division: ich freu mich schon.

Direktlink, weiterer Trailer

Tony Wilson 1950-2007

Selten hat ein einzelner Mann soviel für seine Heimatstadt geleistet wie Anthony Wilson. „Mr. Manchester“ – der Gründer von Factory Records und dem legendären Club Hacienda, der Journalist, Moderator und Autor, der Manager von Joy Division, New Order und Happy Mondays – ist tot. Man müsste jetzt viel schreiben, hätte ihm nicht der Film „24 Hour Party People“ ein angemessenes Denkmal als Genie und Idiot gesetzt. Bitte ansehen.

Erläuterung

Bevor mich nochmal so ne dahergelaufene Tunte auf mein „ultraschwules“ T-Shirt anspricht: „Mancunia“ hat nix mit Männerscharen zu tun sondern verhält sich zu Manchester wie „Colonia“ zu Köln. Nach einer Abwandlung durch die Angelsachsen stammt der Name aus der römischen Version eines keltischen Wortes. „Mamucium“, die einstiege Siedlung im heutigen Stadtteil Castlefield, hieß ursprünglich und komplett unschwul: Hügel in Brustform. Mein kompletter T-Shirt-Aufdruck, Republik of Mancunia, hat übrigens weder was mit Homos noch mit Titten-Bergen zu tun, sondern mit Fußball. Und das merken wir uns jetzt bitte.

  • 0 Kommentare
  • Abgelegt in: Manchester
  • Weihnachten mit Morrissey

    Letzten Samstag in Manchester: Der deutsche Weihnachtsmarkt, eine Mischung aus Kulturimport (Treff zum Glühwein), Anpassung an lokale Verhältnisse (Steaks zum Glühwein) und Abzocke (importierter Aldi-Spekulatius zum Wucher-Preis), war schon abgezogen. So bot sich für hunderte Kids die Möglichkeit, vor dem grandiosen Rathaus eine Flashmob-Kissenschlacht zu starten. Ein Federmeer ist nett anzusehen, wenn der Schnee fehlt. Selbst Polizei und Straßenreinigung amüsierten sich beim Zusehen:

    Am Abend Morrissey in einem ehemaligen viktorianischen Bahnhof. Das G-Mex sah zuletzt den Labour-Parteitag, in dem Tony Blair Standing Ovations bekam. Das Konzert wirkte da schon eher wie Manchester: Die Vor-Sängerin Kristeen Young bekam bereits zum zweiten Lied „Morrissey, Morrissey, Morrissey“-Chöre aus dem Publikum, später auch „Fuck off“-Rufe und Toilettenrollen.

    Wie schon beim Konzert in Düsseldorf gab es zum Umbau eine Abfolge von Videofilmen: u.a. James Dean in Stumm, die New York Dolls in voller Pracht und alte Eurovisions-Clips mit ORF-Kommentar. Etwa Tommy Körberg mit „Judy, Min Van“, bei dem man den Eindruck bekommt, der Mozfather entwickelt sich in seinen neueren Posen zu einem Grand-Prix-Teilnehmer. Oder Gigliola Cinquetti mit „Si“, das nett klingt und gleichzeitig so, wie man sich einen Eurovison-Song vorstellt, ohne je einen gehört zu haben:

    Ich als Niederrheiner kann den Begriff „österreichischen Charme“ nicht mal unfallfrei aussprechen, aber nicht diesen Unfall, sondern diesen Charme in der Stimme muss man sich vorstellen, als der ORF-Kommentator die Sängerin als „liebreizend und entzückend wie immer“ vorstellte.

    Das waren vielleicht nicht mal die richtigen Worte, aber sie waren voller Liebe und Zucker dahingeschmolzen, und sie hätten auch gut zu Morrissey gepasst. In seinen ruhigen Liedern (erhaben: das ältere „I’ve changed my plea to guilty„) folgt man jeder Mund- und Handbewegung, und die Anmut des mittlerweile lebensfrohen Mannes, diese besondere Bühnenchemie ist nett anzusehen. Und er unterhält sich neuerdings so gewitzt mit dem Publikum. Auch in Düsseldorf war Morrissey Entertainer, als er beispielsweise über pelztragende Düsseldorferinnen herzog (in etwa: They wear fur to be beautiful. Murder: beautiful. Torture: beautiful. Execution: beautiful.) Irgendwo zwischen vierter und zehnter Reihe hopsend waren auch die schnellen Lieder krachend, so das neue „Ganglord„. Und welch grandioses Opening mit „Panic“ und „First of the gang to die“ (das Video stamt aus Amsterdam)!

    Am Abend noch meine Lieblinsdisko, Poptastic: Türsteher sind doch nicht immer Wichser. Sie sind es offenbar nur, wenn es sich um junge, eingebildete Aushilfs-Türsteher handelt. Kam also mal wieder rein, durfte ein Indie-Tanzfest mit zahlreichen Morrissey-Einlagen erleben und dazu das einzig wahre Weihnachtslied, „Fairytale of New York“ von den Pogues, untermalt mit von oben fallendem Kunstschnee. Zwei Weihnachtstransen, ca. 60 und 20 Jahre alt, verteilten dazu Süßigkeiten. Ja, so macht Weihnachten dann doch mal Spaß.

    (flickr-Bilder von CENtral 1179, Slippy-23 und nickpickles, youtube-Video von ickleweb und oldsparkyexperience)

    Manchester – Lost in Translation 2

    Nachdem ich kürzlich schon eine Korrektur zu einer „Prinz“-Geschichte über Manchester lieferte, ist nun „Der Spiegel“ dran, der sich mal der großen Genauigkeit seiner Geschichten rühmte. In seiner aktuellen Geschichte über Armut in Manchester und deren Bekämpfung geht einiges daneben. Andauernd wird von der Stadt geschrieben, selbst wenn die (politisch getrennte) Region gemeint ist. Die BBC zieht nach Salford, nicht ins benachbarte Manchester, und das hübsche Bild des Lowry-Zentrums, das die „Boomtown Manchester“ illustrieren soll – es zeigt auch Salford. Man stelle sich einen Bericht über die Stadt Essen vor, in dem die Statistik fürs gesamte Ruhrgebiet vorkommt und der mit dem Centro in Oberhausen illustriert ist.

    Ohnehin wäre das Ruhrgebiet ein besseres Studienobjekt für den „Spiegel“-Schreiber, projeziert er doch Sachen von dort nach Manchester: Die Stadt symbolisiere „den Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. In seinen Minen schürften die Arbeiter den Treibstoff der Industrialisierung, in seinen Stahlwerken befeueren sie den Traum vom unendlichen Wachstum.“

    Hätte es in Manchester Minen gegeben, man hätte den berühmten Bridgewater-Kanal zum Heranschaffen der Kohle gar nicht bauen müssen. Stahlwerke? In Sheffield vielleicht. Dass die Industrialisierung in Manchester „zum Synonym für einen ungezügelten, seine Arbeiter fressenden Kapitalismus“ wurde, kann sein – hat aber den Haken, dass die meisten Fabrikenbesitzer der Stadt schon kurz nach Beginn der Industrialisierung den Lebensstandard ihrer Mitarbeiter deutlich verbesserten.
    (mehr …)

    Bouncers are wankers

    oder: ein paar Notizen aus Manchester. Zuerst zu The Automatic (Manchester Academy, 14.10.): Eine Band, die ein Bild von David Hasselhoff auf dem Schlagzeug hat, muss unterhaltam sein. Hinter der Bühne soll es sogar einen Schrein zu Mr. Knight Rider geben, und das ist heilsam für deutsch-englische Beziehungen: ging man doch auf der Insel davon aus, die frühere deutsche Begeisterung für den, nunja, Sänger und Schauspieler sei Dummheit und nicht etwa Humor gewesen.

    Der Automatic-Sänger sieht selbst aus wie „The Hoff“, wie man ihn hier nennt, nur jünger. Jung und dynamisch sind alle vier Jungs, der Keyboarder und Dazwischen-Schreier zappelt und hüpft derart krass auf der Bühne, dass selbst der sein Asperger-Syndrom auf der Bühne völlig auslebende Sänger der Vines lahm wirkt. Das ist alles nett anzuschauen, „Monster“ ist bereits einer der Songs, die bleiben, und dank „Raoul“ kennt bald die halbe Welt den Mann, der die Gruppe aus Wales mit Sandwiches versorgt. Sympathisch, auch wie sie in Brighton nicht in, sondern mit dem Publikum badeten.

    Das in England seit dem Sommer erfolgreiche Album erscheint hier Ende Dezember (ein Schelm, wer da an Downloads denkt), im Januar folgt eine Tour. Die beiden Vorgruppen der England-Tour wurden vom Publikum alles andere als ignoriert, der NME hält Mumm-Ra für einen wichtigen „Geheim-Tipp“, und gut waren sie, ich rate aber noch eher zu den Alterkicks (Bild), die mit Bandmitgliedern aus Liverpool und Chesire sogar aus der Granada-Region kommen und wahlweise an Franz Ferdinand, The Coral und die frühen Ordinary Boys erinnern. In Manchester, wo die nächste, große Band schon viel zu lange auf sich warten lässt, wird derweil viel von den Courteeners getuschelt, die aber offenbar so geheim sind, dass man zu ihnen nichts im Internet findet.

    Andere Notizen, etwa zu meinem Lieblingsclub Poptastic: Türsteher sind Wichser. Muss mal geschrieben werden, auch wenn Michael Winterbottom in seinem Manchester-Film „24 Hour Party People“ schon alles zum Thema gesagt hat: dort weisen die Bouncers den Club-Buchhalter ab. Die Arctic Monkeys haben auch ein schön frustriertes Lied zum Thema parat (Video, Text), was aber nur wenig Trost ist, wenn man auf der Poptastic nicht dazu tanzen kann.

    Berlin ist derzeit ein großes Thema in England. BBC Four zeigte am Samstag „Goodbye Lenin“, ein minderjähriges Paar aus „Coronation Street“ will dorthin vor Schule und Eltern flüchten und fand Paris zum Ausrei(s)sen zu langweilig. Die hiesige, hippe Modemarke Bench, die gerne voller Lokalstolz die Skyline von Manchester auf ihre T-Shirts druckt, bietet nun welche mit Berliner Straßenszenen und dem Aufdruck „Manchester Berlin New York“. Und H&M wirbt im Arndale-Center auf Deutsch mit einem Spruch von Hildegard Knef: „Ich habe noch einen Koffer in Berlin“. Ist zwar ein „e“ zuviel, aber das ist in Manchester nicht unüblich.

    Manchester – Lost in Translation

    Mit Manchester scheinen deutsche Medien nicht allzuviel anfangen zu können. Vor zehn Jahren zerstörte eine IRA-Bombe einen Teil der Innenstadt, der Wiederaufbau war der Motor zu einer umfassenden Regenerierung der ganzen Region. Die Zerstörung des Arndale-Einkaufszentrums habe gezeigt, dass die Iren „thick“ sein, sagt ein Taxifahrer dazu in der neuesten Folge von „Für alle Fälle Fitz“. „Thick“ bedeutet in der Umgangssprache „dumm“. Dass die Iren „dickhäutig“ seien, macht daraus sinnfrei die deutsche Synchronisation.

    Sinnfrei ist auch die neueste Prinz-Ausgabe, die Manchester ein paar Seiten widmet und mit dem Slogan „The City of Pop“ direkt mal alle Bewohner kränkt.
    (mehr …)

    Nobbis Blog

    Ein schwules Blog aus Düsseldorf über Fernsehen, Musik, Manchester und sonstigen Kram

    Zuletzt kommentiert

    *



    Links



    Archiv


    Wolke

    bbc berlin csd düsseldorf Fernsehen flickr fremdschämen gay gayromeo homophobie humor islamophobie journalismus lsvd Manchester manchester united medien morrissey musik papst pride queer.de rauchen Schwules spooks synchronisation urheberrecht Video youtube zdf