Nach zehn Jahren gibt es endlich eine neue Folge von „Cracker“ (Für alle Fälle Fitz), die das ZDF noch vor den Engländern am 10. September ausstrahlt. Im Special „Nine Eleven“ kehrt der Psychologe aus Australien zur Hochzeit seiner Tochter nach Manchester zurück, interessiert sich jedoch schnell für einen Mordfall.

Es folgen schön krasse Fitz-Analysen, unter anderem über Roulette, die Rezeption von Terror-Nachrichten und Impotenz. Gekonnt nutzt auch Autor Jimmy McGovern die Chance zur Analyse, wie sich Großbritannien – und speziell Manchester – in zehn Jahren verändert hat.

Trotzdem bleibt das Special leicht enttäuschend. War Cracker immer auch eine Serie über Manchester, dürften Einheimische amüsiert sein: da fährt ein Taxi regelrecht im Kreis, um schöne Einstellungen zu bekommen. Und da ist eine Verfolgungsjagd nur durch Beamen zu erklären.

Doch „Nine Eleven“ mag vor allem als Krimi nicht so recht überzeugen. So fehlt der zynische Einblick in das Arbeitsleben der alten Kollegen. Der Konflikt des Mörders ist zwar schön gesellschaftskritisch und realistisch erzählt, wirkt als Mordmotiv jedoch wenig glaubhaft. Und ohnehin: sein Handeln soll eine schockierende Mordserie sein?

Die Fall-Theorien von Fitz wirken in Zeiten, in denen auch andere Krimiserien Psychologie entdeckt haben, in diesem Fall eher als Parodie – zu oberflächlich, um wirklich ermittelnd zu sein. Auch Fitz war früher tiefgehender in seinen Analysen. Und andere Krimiserien haben längst hochmodernste Forensik eingeführt, während bei Cracker der Täter Fingerabdrücke hinterlassen kann, ohne das dies aufgegriffen wird.

Jimmy McGovern hat sich für seine Einblicke in die verwirrten Seelen seines Landes andere Bühnen geschaffen, etwa die hervorragende Serie „The Street“. Den Krimi-Part von Fitz schaffen andere Serien wie etwa „Waking the dead“ oder „Messiah“ besser. Trotz leichter Schwächen bleibt „Nine Eleven“ jedoch ein Muss.

Sollte nicht doch noch ein weiteres Papst-Special dazwischen kommen, läuft die Folge am Sonntag bereits um 22 Uhr. Das ZDF wiederholt an den beiden darauffolgenden Sonntagen die Folgen „Mord ohne Erinnerungen“ und „Tod eines Knaben“.