Der Hassprediger Papst Benedikt XVI. besucht Deutschland. Schnell vergessen Politiker die Trennung von Staat und Kirche und selbst Grundrechte wie die Meinungsfreiheit. Unzählige Steuermittel werden der großen Werbeveranstaltung geschenkt, BMW macht einen Tag lang die Tore dicht und selbst die Schulferien in Bayern wurden für das Ereignis um einen Tag verlängert. Medien schalten sich gleich, kritische Stimmen sind nicht erwünscht. Ein paar Meldungen.

- Beim Münchner CSD beschlagnahmten Polizisten ein satirisches Plakat zur Haltung des Papstes zu Homosexualität und Kondomen. Gegen die Verantwortlichen wird nun wegen Verunglimpfung eines ausländischen Staatsoberhaupts ermittelt. (SZ-Meldung; das Blog “SoWhy Not?” hat übrigens schön verärgerte Anmerkungen zur Staatsangehörigkeit des Papstes)

- Eine künstlerische Satire-Aktion, bei der zwei Männer als Papst und Hitler verkleidet durch die Münchner Innenstadt zogen, wurde von der Polizei erst durch die Festnahme eines Flugblattverteilers und später durch das Einkassieren der Verkleidung aufgrund von “Gefahrenabwehr” vereitelt, geißelt die SZ.

- Mit etwas PR-Geilheit hat Ex-Yello-Sänger Dieter Meier den Papst aufgrund seiner Haltung zu Kondomen mit Hitler verglichen. Boulevardmedien in der Schweiz und Deutschland kriegen nen Koller.

- Nachdem die SPD-Stadträtin Adelheid Rupp eine inhaltliche Kritik am Papst als Pressemitteilung verschickte, musste sie diese als Privatmeinung disqualifizieren. CSU-Fraktionschef Hans Podiuk sprach laut “SZ” von einer “Schmähkritik” (selbiger sagte bereits zu inhaltlicher Kritik am Papst seitens der Grünen, diese würden “die religiösen Gefühle Hunderttausender” verletzen), OB Ude (SPD) ließ mitteilen, er sei “sehr erbost”.

- Aufgrund seiner Papstkritik hatte Ude auch Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl vorgeworfen, die “Katholische Kirche auszugrenzen” und das “Oberhaupt der Weltkirche zur unerwünschten Person zu erklären” (PM).

- Anlass für das Wortgefecht war eine Anfrage zu einer Papst-Ausstellung der städtischen Sparkasse, bei der vom Papst gesegnete Kreuzanhänger zugunsten der Katholischen Jugendfürsorge verkauft werden

- Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat den Papst zu einer Ansprache vor dem Bundestag eingeladen. Volker Beck, auf den in diesen Fällen Verlass ist, hat sich aufgeregt: “Wenn der Papst vor dem Bundestag spricht, dann tut er das als Staatsoberhaupt. Er darf sich aber nicht in die deutsche Innenpolitik einmischen und Themen wie die Aids-Prävention, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und Abtreibungsregelungen kommentieren.” Mehr konnte er dazu sicherlich nicht sagen, aber es bleibt die Frage, ob man auch Nazis einladen darf, solange sie vor Ort nichts sagen.

- Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) freut sich auf die “moralische Instanz” Papst und wünscht sich in “Bild” Gebete in Schulen

- Wenn es um den Papst geht, wollen nun alle Medien Leserreporter, darunter ZDF, N24, …

- Journalisten benötigen eine polizeiliche Zuverlässigkeitsprüfung

- In Sicherheitszonen dürfen Bürger nur nach Polizeikontrolle. Fahnen und Transparente sind an der Wegstrecke nicht erlaubt.

- Kosten für den Steuerzahler: zwischen 20 und 50 Millionen Euro

- 70 Programm-Stunden allein im Bayrischen Fernsehen und ARD sind geplant, die Kosten belaufen sich auf (laut offiziellen Angaben) auf vier Millionen Euro.

- Der Vatikan hat dem Host Broadcaster, dem BR, umfangreiche Auflagen gemacht (Link nicht mehr verfügbar). Über inhaltliche Auflagen wurde nichts bekannt, in Köln ging aber nach dem Weltjugendtag das Gerücht um, der WDR habe dem Vatikan versichert, keine Demonstrationen zu zeigen. Der fröhlich-friedliche Homo-Protest auf der Kölner Papamobilroute blieb so auch unerwähnt.

- Auf der Webseite papst.ard.de gibt es alle möglichen Informationen zum Papst-Besuch, auch Berichte über die Jugend und ihre “Papst-Manie”, jedoch nichts kritisches oder gar Infos über Gegendemos. Es gibt aber auch das Papst-Interview, in der Benedikt gegen die Homo-Ehe wettern kann. Beim ZDF sieht es nicht besser aus.

- Über Auflagen an den Papst wurde nichts bekannt.

Anti-Papst-Demo

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(gefunden in Dominiks Weblog)