Mit Manchester scheinen deutsche Medien nicht allzuviel anfangen zu können. Vor zehn Jahren zerstörte eine IRA-Bombe einen Teil der Innenstadt, der Wiederaufbau war der Motor zu einer umfassenden Regenerierung der ganzen Region. Die Zerstörung des Arndale-Einkaufszentrums habe gezeigt, dass die Iren „thick“ sein, sagt ein Taxifahrer dazu in der neuesten Folge von „Für alle Fälle Fitz“. „Thick“ bedeutet in der Umgangssprache „dumm“. Dass die Iren „dickhäutig“ seien, macht daraus sinnfrei die deutsche Synchronisation.

Sinnfrei ist auch die neueste Prinz-Ausgabe, die Manchester ein paar Seiten widmet und mit dem Slogan „The City of Pop“ direkt mal alle Bewohner kränkt.

Nun ist es ja erfreulich, meine Lieblingsstadt neben Top-Städten Europas in einer Reihe zu sehen. Âber sollte man neben Shoppen, Shoppen, Shoppen nicht auch kurz auf die bewegte Geschichte eingehen, oder auch nur auf das ebenfalls trendige Homo-Viertel? Und vor allem: Müssen da soviele Fehler sein? Ein paar Beispiele:

„Manchester City hat zwar nur rund 500 000 Einwohner, aber im Großraum Greater Manchester leben rund 2,5 Millionen Menschen.“
Manchester City ist ein Fußballclub. Die Stadt heißt Manchester, notfalls auch City of, was man allerdings so häufig sagt wie „Stadt Düsseldorf“. Das als „Vorort“ bezeichnete Salford ist eine eigenständige Stadt mit rund 215.000 Einwohern und gar eigener Uni. Manchester und Salford liegen mit anderen Städten in Greater Manchester, was jedoch seit Jahren nur noch eine Regionsbezeichnung ohne verwaltungspolitische Zusammengehörigkeit ist.

„…ohne Verkehrschaos – dank kostenloser Straßenbahnlinien.“
Es gibt ein paar wenige kostenlose Buslinien. Die Straßenbahnen sind kostenpflichtig, Tickets sind vorm Einsteigen zu lösen, sonst droht Strafgeld.

Zu den Vierteln Deansgate und Castlefield: „Und mittendrin: neue, bezahlbare Wohnanlagen für Paare, Familien und Studenten. Anders als in vielen deutschen Städten denken die Stadtplaner in Manchester nämlich daran, dass in einem frisch herausgeputzten Viertel auch Menschen leben sollen.“
Die wenigen neugebauten oder aus Speicherhäusern entstandenen Appartments in der Innenstadt sind für normale Leute nicht mal ansatzweise zu bezahlen, für Prinz-Praktikantinnen erst recht nicht. Es gibt einige auf Semester befristete Studentenwohnungen, ansonsten lebt nur der günstig, der im großen Umkreis noch eine der wenigen nicht in Privateigentum umgewandelten Council-Wohnungen erwischt oder sich dort ein Haus teilt.