oder: ein paar Notizen aus Manchester. Zuerst zu The Automatic (Manchester Academy, 14.10.): Eine Band, die ein Bild von David Hasselhoff auf dem Schlagzeug hat, muss unterhaltam sein. Hinter der Bühne soll es sogar einen Schrein zu Mr. Knight Rider geben, und das ist heilsam für deutsch-englische Beziehungen: ging man doch auf der Insel davon aus, die frühere deutsche Begeisterung für den, nunja, Sänger und Schauspieler sei Dummheit und nicht etwa Humor gewesen.

Der Automatic-Sänger sieht selbst aus wie „The Hoff“, wie man ihn hier nennt, nur jünger. Jung und dynamisch sind alle vier Jungs, der Keyboarder und Dazwischen-Schreier zappelt und hüpft derart krass auf der Bühne, dass selbst der sein Asperger-Syndrom auf der Bühne völlig auslebende Sänger der Vines lahm wirkt. Das ist alles nett anzuschauen, „Monster“ ist bereits einer der Songs, die bleiben, und dank „Raoul“ kennt bald die halbe Welt den Mann, der die Gruppe aus Wales mit Sandwiches versorgt. Sympathisch, auch wie sie in Brighton nicht in, sondern mit dem Publikum badeten.

Das in England seit dem Sommer erfolgreiche Album erscheint hier Ende Dezember (ein Schelm, wer da an Downloads denkt), im Januar folgt eine Tour. Die beiden Vorgruppen der England-Tour wurden vom Publikum alles andere als ignoriert, der NME hält Mumm-Ra für einen wichtigen „Geheim-Tipp“, und gut waren sie, ich rate aber noch eher zu den Alterkicks (Bild), die mit Bandmitgliedern aus Liverpool und Chesire sogar aus der Granada-Region kommen und wahlweise an Franz Ferdinand, The Coral und die frühen Ordinary Boys erinnern. In Manchester, wo die nächste, große Band schon viel zu lange auf sich warten lässt, wird derweil viel von den Courteeners getuschelt, die aber offenbar so geheim sind, dass man zu ihnen nichts im Internet findet.

Andere Notizen, etwa zu meinem Lieblingsclub Poptastic: Türsteher sind Wichser. Muss mal geschrieben werden, auch wenn Michael Winterbottom in seinem Manchester-Film „24 Hour Party People“ schon alles zum Thema gesagt hat: dort weisen die Bouncers den Club-Buchhalter ab. Die Arctic Monkeys haben auch ein schön frustriertes Lied zum Thema parat (Video, Text), was aber nur wenig Trost ist, wenn man auf der Poptastic nicht dazu tanzen kann.

Berlin ist derzeit ein großes Thema in England. BBC Four zeigte am Samstag „Goodbye Lenin“, ein minderjähriges Paar aus „Coronation Street“ will dorthin vor Schule und Eltern flüchten und fand Paris zum Ausrei(s)sen zu langweilig. Die hiesige, hippe Modemarke Bench, die gerne voller Lokalstolz die Skyline von Manchester auf ihre T-Shirts druckt, bietet nun welche mit Berliner Straßenszenen und dem Aufdruck „Manchester Berlin New York“. Und H&M wirbt im Arndale-Center auf Deutsch mit einem Spruch von Hildegard Knef: „Ich habe noch einen Koffer in Berlin“. Ist zwar ein „e“ zuviel, aber das ist in Manchester nicht unüblich.