Auf den chronologischen Jahresrückblick des ZDF freue ich mich jedes Jahr wie ein kleines Kind. Dass der mittlerweile schon Mitte Dezember kommt, vermutlich „weil die Zuschauer es so wollen“, und selbst bei Tsunamis nicht mehr für die Wiederholung an Silvester aktualisiert wird, damit habe ich mich mittlerweile abgefunden. Aber die Art und Weise, wie die Sendung verdummt wird, um mit den zahlreichen Show-Jahresrückblicken zu konkurrieren, das ist nicht mehr zu ertragen.

Da ist erstmal der Erzähler, Normen Odenthal, zu dem Stefan Niggemeier erst kürzlich alles Nötige geschrieben hat. In „Album 2006“, ausgestrahlt am letzten Sonntag, reiht er ohne Halt Kalauer an Kalauer, bis es schon nach wenigen Minuten nicht mehr zu ertragen ist.

Dazu gibt es vermeintlich lustige Musikuntermalungen (etwa „Hier kommt Kurt“ zum SPD-Führungswechsel), eine Überbewertung von Nichtigkeiten (Lotto-Jackpot, James Bond etc), eine Ignoranz gegenüber Relevantem (Murat Kurnaz, die Abwahl Berlusconis, Köhlers Selbst-Überschätzung werden gar nicht erwähnt, Irak immerhin 30 Sekunden) und die katastrophale Entscheidung, im ersten Halbjahr jeden Monat mit einer Anekdote zur WM enden zu lassen, samt Countdown, wieviel Tage noch zum Anpfiff vergehen sollten (wofür dann auch die Absage der WM-Eröffnungsgala von Mitte Januar auf Ende Februar verlegt wird).

Je „spaßiger“ das Album wird, desto weniger Spaß macht es irgendwie. Schade. Der ARD-Rückblick war übrigens in Beiträgen durchaus seriöser, aber mit unnötigen Interviews und auffälliger Bahn-PR letztlich auch vergeigt (siehe SZ-Kritik).

Zu Normen Odenthal vermerkt das ZDF übrigens online: „Nach dem Studium der Politik, der Publizistik, der Volkswirtschaftslehre und des Öffentliches Rechts in Göttingen und Bristol absolvierte er ein Zeitungsvolontariat und besuchte die Berliner Journalistenschule.“ Und ich dachte, sie hätten ihn am Losstand auf der Kirmes oder bei einem Wettbewerb der moderierenden Bowlingbahn-DJs gefunden.