„Life on Mars“ in der Kabel-1-Fassung war leider ein großes Ärgernis. Da sind allein die Sachen, die deutschen Zuschauern generell zugemutet werden, in England aber bis heute unbekannt sind: Die Dauereinblendungen von Sender- und Serientitel-Logo, dazu noch ins Bild fallende Werbung für weitere Sendungen oder den herunterladbaren Soundtrack. Der Wegfall des (in jeder Folge mit einem anderen Lied aus 1973 unterlegten) Abspanns. Die 30-sekündige Wiederholung nach der Werbepause, die das Kürzen so sinnvoll macht.

Schlüsselszenen-Wegfall

Jeder Folge fehlen mehrere Minuten. So darf man beispielsweise leider nicht sehen, wie das On-Scren-Design der BBC-Nachrichtensendungen 1973 aussah oder der Polizei-TV-Spot mit der Warnung, die Autotür abzuschließen – dabei machen u.a. solche Kleinigkeiten den Charme der Serie aus. Oder da wäre eine andere, längere Szene der ersten Folge, in der die unterschätzte Polizistin und Psychologie-Studentin Annie Cartright während sexistischen Ausfällen ihrer Kollegen ein Psychogramm des Täters erstellt und damit den Schlüssel zum Fall liefert, ein Schlüssel, auf den später eingegangen wird. Diese Szene fällt gar ganz unter den Tisch (wie Stefan Niggemeier in seinem Blog verlässlich kritisiert).

Synchronisation

Dass der schöne Manchester-Akzent wegfallen würde, war klar. Dass die ein oder andere Nebenrolle eher lieblos gesprochen wird: geschenkt. Doch eine Hauptrolle, Steinzeit-DCI Hunt, hat eine Synchronstimme, die einem amerikanischen Wild-West-Sherrif gutstehen würde. Die zahlreichen trockenen Witze Hunts kommen dadurch weniger gut zur Geltung, und die Stimmung wirkt düsterer als sie sein sollte. Das liegt auch an der Instrumental-Hintergrundmusik, die im Deutschen teils erdrückend in den Vordergrund gelangt und unangebracht Twin-Peaks-Stimmung verbreitet, während der extra ausgesuchte ’73-Soundtrack weniger auffällt.

Auch die Übersetzung ist miserabel. Freilich kann man nicht jeden Wortwitz gut übertragen, aber nicht jeden muss man beispielsweise so lieblos übersetzen:

(Frauenstimme:) Operator.

(Sam Tyler:) What?

Operator.

I want a mobile number.
– What?-
A mobile number. 0 double 7 0 8134.

Is that an international number?

Oh. I need you to connect me to a virgin number. A Virgin mobile.

Don’t start that sexy business with me, young man. I can trace this call. (legt auf)

(Frauenstimme:) Vermittlung.

(Sam Tyler:) Was?

Vermittlung.

Nein, ich wollte eine Mobilfunknummer wählen. Eine Mobilfunknummer. 07708134…

Ist das ein Anschluss aus dem Ausland?

Äh, es handelt sich um eine einfache, stinknormale Nummer. Verstehen Sie was ich meine?

Keine Anzüglichkeiten, junger Mann. Ich kann diesen Anruf zurückverfolgen.

Sinnentfremdung

Manchmal hat man auch den Sinn entfremdet, etwa als Hunt in seinem Auto per Funk von Detective Constable Chris Skelton informiert wird, dass er eine Nachricht für Tyler habe. In der Originalfassung setzt die knackende Funkübertragung mehrfach aus, Hunt gibt daher den unbeholfenen Auftrag, Skelton solle sich etwas bewegen. Auf Deutsch klappt die Übertragung perfekt, und Hunt sagt, Skelton solle sich besser um was anderes kümmern.

Weggeschnittener Humor

Dabei tat nicht jede Kürzung so weh, aber viele, und Kabel Eins will einem wirklich den Spaß verderben: In der ersten Folge gibt es eine kurze Slapstick-Einlage, in der Skelton Krümel seines Sandwiches auf die Habseligkeiten des Mordopfers fallen lässt. Mehrfach. In der entsprechenden deutschen Fassung hat der Polizist das Sandwich kurz in der Hand, nach einem kurzen Schnitt ist es verschwunden. Zeitersparnis: ein paar Sekunden.

In der zweiten Folge gibt es einige witzige Szenen, die weggefallen sind. Etwa die Befragung einer Verwandten des Verdächtigen, bei der viel Damenunterwäsche herumfliegt, oder dieser Versuch, ohne Glaswand und trotzdem „inkognito“ Zeugen und Verdächtigen gegenüberzustellen:

Das alles, inklusive der britischen Variante des deutschen Stinkefingers, fehlt in der deutschen Fassung.

Aber vielleicht hat Kabel Eins das ja alles nur gekürzt und vergeigt, um die sicher bald erhältliche, deutsche DVD-Fassung der Serie zu vermarkten: mit Originalton und „Bonus“-Szenen. Übrigens: in wenigen Tagen startet auf BBC One die zweite und definitiv letzte Staffel. Es gibt aber die Bestätigung, dass es mit „Ashes to Ashes“ einen Nachfolger geben soll, der in den 80ern spielt.