I started something i couldn’t finish
“Homophobe Gewalt angestiegen” meldeten in den letzten Wochen einige Homo-Portale und Hetero-Medien. Grundlage war eine Umfrage des schwulen Überfalltelefons Maneo, bzw. eine Pressekonferenz zu den Ergebnissen. Während diese online weiterhin nicht verfügbar sind, gibt es eine chaotische Zusammenfassung von Projektleiter Bastian Finke.
Mir gehen diese Studien von Schwulen Überfalltelefonen schon seit langem auf die Nerven. Hier wird alles zusammengewürfelt, was irgendwie zum Thema Gewalt passt: einzelne Beleidigungen sind für Maneo & Co genausoviel Gewalt wie eine schwere Körperverletzung. Auch von Strichern begangene Delikte kommen vor, ebenso wie Gewalttaten gegen Schwule, die nichts mit deren sexueller Orientierung zu tun haben, etwa Raubübefälle auf offener Straße. Wie soll man mit diesem Statistik-Mischmasch ernsthaft etwas anfangen? Die Studie sagt auch nichts über das Verhältnis zwischen Schwulen und Polizei. Soll ich ernsthaft zur Polizei gehen, nur weil mich im Vorbeigehen jemand Unbekanntes als “schwule Sau” bezeichnet hat? Soll ein junger Schwuler etwa einen Mitschüler anzeigen?
Was ist so schwer daran, einen Fragebogen zu entwickeln, der etwas genauer nach bestimmten Situationen fragt und damit differenzierte Rückschlüsse beispielsweise auf den Anteil von Alltagsbeleidigungen, auf Schul-Bullying und Arbeitsplatz-Mobbing oder auf tatsächliche, körperliche und homophobe Gewalttaten zulässt? Erst dann ließe sich auch, wenn überhaupt, über bestimmte Tätergruppen und über die Ursachen für deren Handeln ernsthaft unterhalten.
Denn das ist das nervigste an all den Studien der letzten Jahre: wie pauschal jedem Ausländer unterstellt wird, ein potenzieller, homophober Gewalttäter zu sein. Wie sehr dieses Die-gegen-Wir-Denken, das nicht nach Ursachen für Gewalt fragt, auf die Szene übergegriffen hat, verdeutlicht die Studie indessen schon: 16 Prozent der Opfer gaben an, von vermeintlichen Ausländern “Gewalt” erfahren zu haben. Anders als früher wurde danach nicht gefragt.
[Um noch was positives zu schreiben: andere Aktionen von Maneo und des LSVD, etwa spezielle Poster für Fußballfans (s. Bild) oder das nach innen wie außen gerichtete Murat-Plakat verdienen Unterstützung.]

8 Kommentare for "Maneo-Unsinn"
eine herzliche erfreute zustimmung! maneo hat schon so einigen un- oder nur schwer-ertragbar-sinn verzapft. … http://ondamari...-projekt.htmlda beruhigt es ungemein, dass die sich nun auch noch mit aids-schnelltests in der prävention umtun …und - das fußball-plakat war dann wiederum echt gut, fand ich auch …lg ulli
[...] Der Journalist Norbert Blech hat einen super Beitrag zu dieser ganzen Schwachsinnsstudie über “Gewalt gegen Schwule” veröffentlicht, über die jetzt in einigen Medien berichtet wird — und doch so unseriös ist wie nichts! Ich hoffe, er hat nichts dagegen, wenn ich hier mal den Text redupliziere: “Homophobe Gewalt angestiegen” meldeten in den letzten Wochen einige Homo-Portale und Hetero-Medien. Grundlage war eine Umfrage des schwulen Überfalltelefons Maneo, bzw. eine Pressekonferenz zu den Ergebnissen. Während diese online weiterhin nicht verfügbar sind, gibt es eine chaotische Zusammenfassung von Projektleiter Bastian Finke. [...]
Hi, habt ihr denn an der Studie selber teilgenommen? Das MANEO -SINN macht steht ja wohl nicht zur Debatte. Die Umfrageergebnisse sind online: http://www.mane...-ergebnisse.pdf Und eine neue coole Aktion gibt es auch.: http://www.tagg...enkzettel.shtmlgrüßeHanna
[...] Bereits am 18. März monierte der Journalist Norbert Blech in seinem Internetblog den “MANEO-Unsinn”. In den Gewaltreports werde “alles zusammengewürfelt, was irgendwie zum Thema Gewalt paßt: einzelne Beleidigungen sind für MANEO & Co genausoviel Gewalt wie eine schwere Körperverletzung. [...]
Maneo-Unsinn?
Ich habe mir gerade die Studie durchgelesen und kann einige deiner Kritikpunkte nicht nachvollziehen - vielleicht kannst du mir da helfen.
1) Ich finde einen weiten Begriff von Gewalt, der Beleidigung und Belästigung einschließt, nicht falsch und im Text bleiben die Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen deutlich. Ich stimme dir allerdings zu, dass eine genauere Situationserfassung und eine klarere Grenzzeihung zwischen verschiedenen Formen der Diskriminierung/ Gewaltanwendung schön gewesen wäre.
2) Die Schwierigkeit, einzelne Gewalterfahrungen explizit mit der sexuellen Orientierung zu verknüpfen wird explizit benannt und es gibt, zumindest in der Kurzdarstellung eine plausible Nachfrage, wie der Rückschluß hergestellt wurde (Verhalten, Symbole, Umgebung, …). Kannst du deine Kritik hier stärker ausführen?
3) Ich habe die Zusammenfassung nicht so verstanden, dass in allen Fällen die Polizei die Ansprechpartnerin ist. Vielmehr wird darauf hingewiesen, dass bei schweren Körperverletzungen nur 70 Prozent der Betroffenen die Polizei informiert haben - und die kann mann in diesem Fall tatsächlich einschalten.
4) Allerdings teile ich nachdrücklich deine Kritik bezüglich des rassistischen Untertons. Eine klare Distanzierung von Hypothesen, dass Männer mit migrantischem Hintergrund ein großes Problem seine, muss man fordern. Das Rumgeeiere in Sachen “Minderheitenpolitik” und PC ist halbherzig und geht in die falsche Richtung.
5) Ein Punkt, den ich vermißt habe, ist, dass die Studie sich auf Männer begrenzt. Gibt es keine Gewalt gegen Lesben und transindentitäre Menschen?!
daba
Hallo daba
Mein Blog-Eintrag bezieht sich nur auf die oben verlinkte Pressemeldung, nicht auf die komplete Studie, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht war. Die Studie bietet zwar etwas mehr Details und Differenzierungen, was aber die Verallgemeinerungen aus der Pressemitteilung und den daraus resultierenden Medienmeldungen nicht hinwegnimmt. Dort werden beispielsweise 90 Prozent der attestierten Taten nicht angezeigt.
Zu Gewalt gegen Lesben habe ich gerade über google folgendes gefunden:
http://www.frau...x.php?dok_id=43.
Grüße
Norbert
[...] Kleiner Nachtrag: Maneo ist in der linken (schwulen) Szene auch für einen ‘penetranten’ Rassismus bekannt. Kritisch beäugt Frau Janssen den Verein in ihrem Blog. Einen kritischen Bericht zur Arbeit von Maneo gibt es auch hier. Andere Kritik kann man in Nobbis Blog lesen. Oder im Blog F*cking Queers. Oder in diesem Artiekl aus der ‘Jungen Welt‘. Hmm … vielleicht hätte ich mir doch ein anderes Thema heute vornehmen sollen. Oder das Thema in einem weiteren Eintrag wieder aufgreifen. [...]
[...] In einem zweiten Schritt könnte MANEO damit anfangen, sich mit der wachsenden Schar seiner Kritiker auseinanderzusetzen. Bereits am 18. März monierte der Journalist Norbert Blech in seinem Internetblog den “MANEO-Unsinn”. In den Gewaltreports werde “alles zusammengewürfelt, was irgendwie zum Thema Gewalt paßt: einzelne Beleidigungen sind für MANEO & Co genausoviel Gewalt wie eine schwere Körperverletzung. Auch von Strichern begangene Delikte kommen vor, ebenso wie Gewalttaten gegen Schwule, die nichts mit deren sexueller Orientierung zu tun haben, etwa Raubüberfälle auf offener Straße … Wie soll man mit diesem Statistik-Mischmasch ernsthaft etwas anfangen?” [...]
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