Wenn man ohne Ahnung und Berater in der so genannten „Servicestelle“ des Finanzamtes Düsseldorf-Nord landet, kann es einem schon mal passieren, dass das Gespräch eskaliert. Ein gekürztes, aber nicht übertriebenes Gedächtnisprotokoll.

Norbert (freundlich): Guten Morgen. Ich bräuchte eine Bescheinigung, dass ich eine Steuernummer habe.

Ältere, vornehm aussehende Frau mit Brille (entrüstet): Die werde ich Ihnen bestimmt nicht ausstellen.

Norbert (eingeschüchtert, verwirrt): Aber ich komme gerade vom Arbeitsamt. Dort sagte man mir, ich bräuchte eine Bescheinigung mit der Steuernummer?!?

Frau (vernichtend): Da hat das Arbeitsamt sicher recht.

Norbert (nach Überraschungspause): Jedenfalls brauche ich eine. Warum wollen Sie keine ausstellen?

Frau (resolut): Sie werden von mir bestimmt keine bekommen. Nehmen Sie Ihren letzten Steuerbescheid.

Norbert (erklärend): Ich hänge mit den Steuererklärungen ein wenig hinterher, mein letzter Bescheid ist von 2000. Aber ich brauche eine aktuelle Bescheinigung, sagt das Arbeitsamt.

Frau (trocken): Die werde ich Ihnen nicht ausstellen. Machen Sie Ihre Steuererklärungen, und sie haben eine Steuernummer.

Norbert (Ausweg suchend): Steht die Nummer auf der Lohnsteuerkarte drauf?

Frau (ganz trocken): Hat da noch nie draufgestanden.

Nobert (erneut erklärend): Ich war beim Arbeitsamt, um eine Ich-AG zu gründen. Das geht nicht, solange ich denen keine Bescheinigung vorlegen kann.

Frau (ganz, ganz trocken): Das hätten Sie sich vorher überlegen müssen.

Norbert grummelt schweigend

Frau (plötzlich erklärend): Wenn Ihr letzter Bescheid aus dem Jahr 2000 ist (… für mich unverständliches Steuer-Fachlatein …) werden Sie wahrscheinlich bei uns nicht mehr geführt. Machen Sie die Erklärungen. Bei mir werden Sie keine Bescheinigung bekommen, soll ich das noch hundert Mal sagen?

Norbert (zunehmend verzweifelnd): Ich habe mit den Erklärungen angefangen, bin auch angemahnt worden. Aber das hilft mir jetzt nicht weiter. Bis die durch sind, vergehen Monate. Und ich will eine Firma gründen.

Frau (gelangweilt): Wenn Sie nichts tun, können Sie vom Finanzamt auch keine Schnelligkeit erwarten.

Norbert (langsam sauer): Aber was hat das Nicht-Abgeben von Steuererklärungen mit einer benötigten Bescheinigung für eine zukünftige Firma zu tun?

Frau: Es geht beides um Steuern. Sie werden von mir keine Bescheinigung bekommen. (Pause) Draußen warten noch Leute auf Beratung…

Norbert (resigniert): Gut. Zweite Frage, habe heute einen Behördentag. Ich wollte gleich zum Amtsgericht, um aus der Kirche auszutreten. Wissen Sie, ob ich da die Lohnsteuerkarte mitnehmen muss?

Frau: Nein. Da müssen Sie das Amtsgericht fragen. Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber da…

Norbert (laut): Dabei hängt das ja wohl auch mit der Steuer zusammen.

Frau guckt betroffen und schweigt pikiert. Ziemlich lange. Dann: Wenn Sie einen Rat wollen, sollten Sie mich aussprechen lassen.

Norbert (wieder leise): Gut.

Frau: Die geben Ihnen eine Bescheinigung. Die Lohnsteuerkarte brauchen Sie nicht.

Norbert: Gut, danke. Einen schönen Tag noch.

Frau: (Schweigen)

Anmerkungen: Nach Hilfe vom lieben, allwissenden Olli weiß ich, dass mein Fehler war, nicht zuerst ein neues Gewerbe anzumelden. Dann bekommt man eine neue Steuernummer, auch bescheinigt, und alles ist gut. Die gute Frau wusste das sicher auch, genau wie den Fakt, dass auf den Anmahnungen zum Einreichen der Steuererklärung auch eine Steuernummer vermerkt ist. Das Amtsgericht brauchte die Lohnsteuerkarte nicht, man bekommt aber dort nur eine Bescheinigung, mit der man noch zum Einwohnermeldeamt/Bürgerbüro muss, dort braucht man dann auch die Lohnsteuerkarte.

[Kopierter Eintrag aus altem Blog.
Bilder u.ä. waren auf andere Proportionen ausgerichtet.]