Ich finde es immer etwas albern, gar oft unzutreffend, wenn Briten in einer Mischung aus Bewunderung und Verachtung von der angeblichen „German efficiency“ sprechen. Was es aber oft gibt ist British Inefficiency. Als vor zwei Jahren hier WM war, bewunderte die ganze Welt und die in Scharen angereisten Engländer im besonderen die großen wie friedlichen Fan-Meilen mit Public Viewing. Das kannte man vor Ort nicht, und erste Versuche zur WM etwa in Manchester wurden nicht fortgesetzt, weil zu viele und zu angetrunkene und folglich gewalttätige Leute auf zu wenig Platz trafen.

Überrascht war ich folglich gestern von den Bildern, die mir die BBC-Lokalnachrichten aus Manchester boten. Anlässlich des Uefa-Cup-Finales mit hunderttausend angereisten Rangers-Fans hatte die Stadtverwaltung drei Plätze in der Innenstadt zu Public-Viewing-Plätzen umfunktioniert, dazu gab es reichlich Sonnenschein und sogar ab morgens eine (seltene) Extra-Lizenz für Alkoholausschank. Und bis zum Anpfiff blieb alles weitgehend friedlich und in guter Stimmung, ein unerwartetes Aushängeschild für Stadt und Fans.

Dumm nur, dass ausgerechnet zehn Minuten nach Spielbeginn in der Public-Viewing-Area in Piccadilly Gardens die Leinwand ausfiel. Genauer gesagt: die Leinwände funktionierten, bekamen aber kein Signal. Obwohl mitten in der Innenstadt sicherlich neue Receiver oder Kabel besorgt hätten können (wenn schon kein Ersatz da war), wurde der große Notfallplan aufgegriffen: die Fans wurden per Leinwand aufgefordert, zu Ersatzleinwänden im Velodrome neben dem City of Manchester Stadium zu gehen – Fußweg ca. 30 Minuten. Darüber waren die Fans freilich wenig begeistert und es gab heftige Ausschreitungen in der Innenstadt: Battle of Piccadilly (Manchester Evening News)

Falsche Moral der Geschichte: Die Stadtverwaltung von Manchester hat deswegen die geplanten Fanzmeilen zum Championsleague-Finale (ManU gegen Chelsea) abgesagt.