Immer wenn ich nach Berlin fahre, stirbt eine alte Dame. So geschehen mit Hildegard Knef und Queen Mum, und diese Woche also Estelle Getty (Sofia aus Golden Girls). Gut, dass ich nicht vorhabe, dahinzuziehen.

Nein, Berlin besuchen ist nett, aber da leben, nein danke. Dafür sind mir die Leute oft zu unfreundlich, die Winter zu kalt, die Stadt zu unübersichtlich. Und ich hasse es, keine Ahnung zu haben. Tagestipp der Siegessäule, eine sogenannte Indie-Party namens „Berlin Hilton„: „Rein in die Röhrenjeans, Halstuch umgebunden und die Haare lässig aufgeschüttelt“, empfiehlt das Magazin und verspricht „erstklassige“ DJs. Allerdings nix davon vor Ort, vor allem keine Indie-Musik. Die Stadt ist nichts für Anfänger.

Rauchern möchte ich die „Heile Welt“ auf der Motzstraße empfehlen. Nach zweimal vor die Tür gehen zwecks Rauchen entdeckte ich erst den Hinweis auf die Raucher-Lounge im hinteren Bereich, die doppelt so groß ist als die Restkneipe und wirlich angenehm loungig. Tipp nebeibei: auf der Motzstraße kann man einen Dildo in Form eines Gartenzwergs kaufen.

Vom neuen Homo-Denkmal bin ich nicht begeistert. Erstens läuft man schnell vorbei, wenn man nicht Acht gibt – viel los ist dort nicht. Zweitens kamen, wie auch zur Einweihung des Magnus-Hirschfeld-Ufers, das ich erst recht nicht gefunden habe, keine wichtigen Politiker. Drittens teile ich die Kritik, dass das Mahnmal zu ungenau ist in Bezug auf Lesben und jene schwulen Männer, die vor allem auch Täter waren.

Kein Berlin-Besuch ohne Promi-Spotting. Hans-Christian Ströbele auf der Straße zu treffen, ist sicher nix ungewöhnliches. Ich könnte aber schwören, auch einen leicht verkleideten Jack Nicholson gesehen zu haben. Und natürlich Barack Obama, zumindest das, was der Getränkestand vor uns und die Sonne dahinter noch von der Leinwand übrig gelassen haben. Ich bin nicht für Pathos zu gewinnen, aber an zwei, drei Stellen habe ich doch geklatscht (natürlich auch vor der Rede, als die Leinwand gefühlte zehn Minuten lang einen leicht albern tanzenden Menschen in der Masse zeigte und die Straße applaudierte). Obama ist nicht perfekt, aber „this is the moment“ für einen, der zumindest vieles besser machen könnte als sein Vorgänger. Und, ja doch, die Leute mitreißen kann.