Es gibt nicht wenige, die seit Jahren einen Machtwechsel in Düsseldorf dringend herbeigesehent haben. Es ist kein großes Geheimnis, dass ich dazu gehöre. Von dieser Wechselstimung ist bei mir nichts übrig geblieben, denn die SPD hat für die morgige OB-Wahl eine unwählbare Kandidatin aufgestellt.

Kortmans Vorgängerin bei der letzten Wahl, Gudrun Hock, war nicht die beste Rednerin, aber sympathisch und kompetent. Und es war zweifellos an ihr abzulesen, dass sie sich vor Erwin und seiner Politik ekelte. Kortmann hingegen wird nicht müde, die Leistungen Erwins zu loben, und hat gar vorgeschlagen, die Arena nach ihm zu benennen. Völlig unironisch, und mit einer Steilvorlage für den CDU-Kandidaten Elbers: das sei aufgrund des Sponsorenvertrags gar nicht möglich, belehrte er sie. Im Duell auf Center TV hat Elbers Kortmann gefühlte tausendmal belehrt und als unwissend dargestellt, und man bekam das Gefühl, dass das nicht immer zu unrecht war. Ihre Unwissenheit stellte Kortman aber selbst gerne heraus: zur Gewerbesteuer wollte sie sich nicht äußern, „da ich die Zahlen nicht kenne“. Sechs, setzen! Elbers war Gewinner des TV-Duells, obwohl er auch nicht gerade durch Sympathie punkten konnte und jahrelang Erwin und seiner Politik zuarbeitete.

Dafür kanzelte Kortmann ihn mehrfach als „Provinzpolitiker“ ab. Allerdings geht es hier um eine Kommunalwahl, und da hilft ihre Arbeit als Staatssekretärin bem Bundesministerum für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auch nicht viel. Man hat ohnehin den Eindruck, Kortmann habe den Job vor allem Aufgrund ihrer Kontakte und eventuell vorhandenem Katholikenmangel im Kabinett bekommen. Denn die Frau hat weder Charisma noch stellt sie Sachkentniss heraus. Dafür ist sie überheblich.

Merkwürdig war ihr Auftritt beim CSD. Dort durfte sie eine mehr professionell wirkende als ehrlich kämpferische Rede halten, in der sie versprach, am Rathaus zum nächsten CSD die Regenbogenflagge anzubringen, und die Bundesregierung aufforderte, endlich für eine Gleichstellung von Homo-Paaren zu sorgen (was man nicht tun sollte, wenn man selbst Teil der Bundesregierung ist). Danach folgte eine Podiumsdiskussion zwischen den übrigen Parteien (mit Ausnahme von Elbers, der nicht kam), Kortmann stand offenbar abgesprochenerweise nur daneben, ohne sich in die Diskussion einzumischen. Als der Linkspartei-Rathsherr Frank Laubenburg sie regelrecht thematisch trashte, schaute sie zum Publikum mit einem „was will denn der“-Lächeln, anstatt zu antworten. Das Gefühl, auf Kritik nicht eingehen zu müssen, ist man in Düsseldorf von einem anderen, mittlerweile verstorbenen Politiker gewohnt.

Aber dem muss man zumindest zugestehen, Ideen verwirklicht haben zu wollen (die ich nicht teile). Bei Kortmann fehlen ganz offensichtlich Ideen. Es fehlt Leidenschaft (und man fragt sich, wie ernsthaft sie gegen einen weiterhin schwarz-gelben Rat kämpfen würde). Es fehlt auch oft die Ansicht, dass das, was Erwin hier fabriziert hat, falsch war. Wenn ich mich frage, warum sie Oberbürgermeisterin werden will, finde ich keine Antwort.