Nach meiner langen Aufregung über eine dumme Folge von „Soko Leipzig“ nun auch etwas Lob: das Special mit „The Bill“ ist durchaus gelungen. Am Mittwoch und Donnerstag liefen auf ITV die koproduzierten Folgen, in der die Ermittler aus beiden Ländern einen Entführungsfall zu klären hatten. Die Folge beginnt in London, wo die deutschen Polizisten noch auf wenig Gegenliebe der Kollegen stoßen. Fall und Team entwickeln aber schnell eine Eigendynamik, bis es zum besseren, Action geladenen Teil in Leipzig kommt. Britische Zuschauer haben sicher noch keine Verfolungsjagd gesehen, die durch eine Straßenbahn beendet wird.

Gerade die Zusammenarbeitssequenzen wirken authentisch: die deutschen Schauspieler sprechen ein unterschiedlich stark gebrochenes Englisch (dass der Darsteller des Hauptkommissars überhaupt kein Englisch spricht, wie die deutsche Produzentin verrät, fällt nicht mal auf). Das ist ungewohnt im britischen Fernsehen: hier sprechen sonst meist englische Schauspieler ein Pseudo-Deutsch mit Pseudo-Akzent (Beispiel aus „Dr. Who“). Eher selten sprachen die deutschen Ermittler im Beisein ihrer englischen Kollegen auch ein paar Gesprächsfetzen auf Deutsch. ITV hat diese ohne Untertitel ausgestrahlt, was sich wunderbar in das Sprachchaos einpasst. Und schöner Witz für die britischen Zuschauer: die deutsche Kommissarin darf einmal „Scheiße“ sagen – die englische Version des Wortes ist zu der Ausstrahlungszeit um acht Uhr abends noch nicht erlaubt.

Bleibt die Frage, was das ZDF mit den Folgen macht (eine Ausstrahlung ist fürs nächste Jahr vorgesehen). Hoffentlich mehr, als die britischen Schauspieler auf Hochdeutsch zu synchronisieren. Die Produzenten der Folge, Jonathan Young von Talkback Thames und Jörg Winger von der Ufa, planen inzwischen eine deutsch-britische Krimi-Serie unter dem Arbeitstitel „The Hub“, die in Berlin spielen soll.