Was soll eigentlich diese Unsitte bei Länderspielen, das Spiel von zwei Seiten zu filmen, nur um andere Bandenwerbung zu zeigen? Das war mir erstmals beim Spiel England gegen Deutschland 2007 aufgefallen, als ich von der BBC kurz zum deutschen Fernsehen umschaltete und dachte, ein völlig anderes Spiel zu sehen. Danach habe ich mal drauf geachtet und bei deutschen Länderspielen im Ausland im deutschen Fernsehen immer deutsche Bandenwerbung gesehen, mit den Finalrunden von WM und EM als Ausnahme. Bei der BBC sah ich jedoch immer die Bandenwerbung des jeweils gastgebenden Landes. Das lässt einige Fragen zu unseren Öffentlich-Rechtlichen offen.

In diesem Jahr hat die BBC allerdings die englischen Länderspiele (wie auch den Pokal) an ITV und Pay TV verloren. Das ist ärgerlich: ein Spiel ist nur ein halbes Spiel ohne den Kommentar von John Motson und die traditionelle wie kultige „Match of the day“-Intromusik (s.a. Cup-Version und spezielles Theme zu Euro und WM). Und gestern gab es folglich auch das Länderspiel Deutschland-England aus Berlin mit britischer Bandenwerbung, gefilmt von der anderen Seite. Bei kontroversen Situationen schalte ich gerne mal zwischen britischer und deutscher Übertragung um, da Kommentatoren gerne unterschiedlich bewerten. Das ist allerdings nicht mehr ganz so verwunderlich, wenn das eine Land ein hartes Foul von vorne sieht und das andere Land ein unübersichtliches Foul von hinten. Man stelle sich vor, es gebe diese zwei Versionen eines Spiels auch bei der WM, das würde in letzter Konsequenz dazu führen, dass verschiedene Länder völlig verschiedene Bilder von einem historischen Tor hätten. Und was für ein Chaos das Webmley-Tor von 1966 erst gewesen wäre, hätten britische und deutsche TV-Zuschauer es auch noch von der anderen Seite gesehen.