Beglückt von dem Jahresrückblick der unterhaltsamsten Zeitung des Landes, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, ein Blick zurück auf die Tops des Jahres 2004. Ich beginne mit dem Fernsehen, und da ich wenig Lust auf das deutsche habe, hier ein paar Bestelltipps für amazon.co.uk oder eDonkey:

1. Spooks
Man weiß nie, was einem in der Geheimdienstserie Spooks so alles erwartet: neben einer Kamera-Vorliebe für technische Details, viel Wortwitz und Seitenhieben auf New Labour gibt es mal Action, mal Krimi, mal politisches Drama und mal Kammerspiel. Letzteres beispielsweise in der Folge, in der gefragt wird, wie weit man Verdächtige foltern darf, um einen Anschlag zu verhindern. Das für Zuschauer gruselige Ergebnis: man darf sehr weit gehen. Nebenbei stellt Spooks den Rekord für den Verbauch von Hauptdarstellern: in der dritten Staffel verschwinden innerhalb der zehn Folgen alle drei – durch Entlassung, Gefängnis und Tod.

2. Little Britain
Man klaue bei Leage of Gentlemen, streiche den Horror und das allzu Surreale, und landet damit den Comedy-Hit des Jahrzehnts. Für den Zuschauer bleibt die Frage nach dem Lieblinscharakter unlösbar: der beschränkt schwule Daffyd, der sich als „only gay in the village“ ansieht und andere Schwule nicht wahrhaben will, Anfänger-Transe Emily Howard, Rolli-Fahrer Andy, der seinen kümmernden Kumpel Lou zum Verzweifeln bringt und böse an Zivizeiten erinnert, der schwule Sekretär des Premierministers, und, und, und. Ein Sammelsurium derber Scherze und guter Einfälle.

3. State of Play
Sonia Baker, die junge Assistentin eines Labour-MPs, begeht Selbstmord. Journalisten hängen sich an die Story, es gibt weitere Tote und bald wackelt das halbe Parlament. Spannender wie gewitzter Sechsteiler, und Bill Nighy gibt die beste Chefredakteursdarstellung aller Zeiten.

4. Shameless
Hat den gleichen Autor wie State of Play (Paul Abbott), könnte aber unterschiedlicher nicht sein. In einer hässlichen Siedlung von Manchester leben die Gallaghers samt Nachbarn, Alkohol und Stütze. Der Vater ist immer besoffen, Sohn Ian ist klemmschwul und hat eine Affäre mit einem Familienvater, sein Bruder Lip kommt dahinter, auch hinter die Affäre seines Vaters mit seiner Freundin, usw., usf. Die Eskapaden, Liebschaften und (Überlebens-)Tricks werden mit viel Witz porträtiert.

5. The O.C.
Beste Jugend- und Familienserie sei den frühen Folgen von „Dawson’s Creek“; dumm, aber auch unterhaltsam. Ein Rechtsanwalt nimmt einen in Schlamassel geratenen Herzensbrecher in seine Schnösel-Villa in Orange County, Kalifornien, auf, der sich mit dem süßen, leicht loserigen und zynische Sprüche reißenden Familiensohn anfreundet. Wer ist besser? Ryan oder Seth? Ich kann mich nicht entscheiden. Ab Januar 2005 auf Pro 7.

Noch erwähnenswert:
2DTV, fünfte Staffel. Präsident Bush, den Ruf der Menge (four more years) aufgreifend: „Four more Wars! Four more Wars!“ Berater: „Sir, it’s four more years.“ Bush: „Four more years? Right. Eight more wars! Eight more wars!“
Hustle. Serie der Spooks-Macher über ein Team professioneller Betrüger.
Green Wing. Krankenhaus-Comedy vom Coupling-Team. Mal unglaublich witzig und innovativ, aber auch mal langweilig.

[Kopierter Eintrag aus altem Blog.]