Die neue Homo-Gurke von Queer.De geht diesmal… an unsere Leser.

Es ist nach fast fünf Jahren Arbeit in der Homo-Presse einfach nicht mehr auszuhalten. Da kann man jahrelang scharfe Kritik an der Regierung üben, da halten einen die Leser immer noch für ein Regierungsblatt auf Bild-Niveau (s., u.a., im Gästebuch von Gayroyal). Schreibt man angemessen kritisch über die FDP, motzen die ach so Liberalen über uns. Schreibt man angemessen kritisch über die Grünen, kriegt sich das Büro Beck nicht mehr ein. Die Hälfte der Leser ist sowieso immer anderer Meinung und hält selbst Fakten für schlechte Recherche, die andere Hälfte der Leser hält Queer.De wiederum für a) zu unpolitisch oder b ) zu politisch, weswegen alle Artikel ohnehin irrelevant sind. Natürlich sind wir auch völlig Szene-unkritisch, und sind wir es mal doch, sind alle betroffen und sprechen von Nestbeschmutzung und schlechter Aussenwirkung. Macht man einen kleinen Scherz mit einem Bild, wie es die taz täglich macht, stehen die Telefone nicht mehr still und die Leser müssen gleich reihenweise zur Schockbehandlung ins Krankenhaus gebracht werden (Neuer Kannibalen-Fall). Schreibt man kritisch über den homopolitischen Teil einer Rede von Angela Merkel, findet ein Großteil der Leser, man müsse auch als schwules Medium die restlichen Äusserungen von Merkel bringen und diese auch in einem Kommentar positiv berücksichtigen. Setzt man sich für ein Denkmal und eine Stiftung für verfolgte und ermordete Homosexuelle in der Nazizeit ein, sind gar einige Leser erschrocken über die einseitige Parteinahme für eine Steuerverschwendung.
Und, gerade aktuell: Schreibt der Queer.De-Chef aus seinem Thailand-Urlaub einen ausführlichen Bericht über die Auswirkungen der Flutkatastrophe speziell auf die schwule Szene (Thailand: Schock ohne Ende), dann ist das nicht etwa eine selbstverständliche und im übrigen, da andere Homomedien ja (verständlicherweise) nur noch Boulevard und „Style“ bringen, eine exklusive Zusatzinformation, sondern eine „einzige Beleidigung der Opfer dieses schrecklichen Unglücks“, „geschmacklos“, „zum Kotzen“, „Menschenverachtung“ und „Schweinejournalismus“.

Für diesen Totalausfall unserer Leserschaft verleihen wir die Homo-Gurke. Nicht, dass das was bringen würde.

[Kopierter Eintrag aus altem Blog.]