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ishVor einem Jahr beglückte und nervte ich die Besucher meiner Geburtstagsfeier mit Musikvideos von der Festplatte, die ich zuvor beim britischen, alternativen MTV 2 aufgenommen hatte. In diesem Jahr wird es dazu nicht kommen, denn das Digitalpaket des Kabelbetreibers ish wird mittlerweile fast komplett mit dem Kopierschutz Macrovision ausgestrahlt. Auch die Sendungen des anderen mir wichtigen Senders, BBC Prime, lassen sich jetzt nur noch verfolgen, wenn man direkt vorm Fernseher sitzt. Aufnahmen der täglichen Soap Eastenders sind beispielsweise unmöglich, sowohl mit einem Festplatten/DVD- als auch einen herkömmlichen Videorekorder.

LFMIch schrieb daraufhin eine Protestmail an die Landesanstalt für Medien NRW, schließlich sind die Landesmedienanstalten dafür da, die Vielfalt in den Medien zu sichern und, mit der Gemeinsamen Stelle Digitaler Zugang, „die Interessen der Zuschauer, der Wirtschaft und der Gesellschaft beim Übergang von der analogen in die digitale Welt zu sichern, zu fördern und zu gestalten“ (Originalzitat). Die Antwort der LFM war ernüchternd: man sei nicht zuständig, ansonsten folgte eine Belehrung über die Rechte von Urhebern („die Rechteinhaber (setzen) wohl eher auf den Kauf von DVDs oder autorisierter Mitschnitte“) samt dem Hinweis, dass ein Umgehen des Kopierschutzes verboten ist. Da konnte man schon froh sein, dass das nicht mit dem Slogan „Videoaufnahmen vernichten Areitsplätze“ endete.

Das schlimme daran: das Beispiel wird Schule machen, vor allem, wenn bald das analoge Signal abgeschaltet wird und das neue HDTV-Format laut „Spiegel“ dieser Woche noch einen ausgereifteren Kopierschutz bietet. Pro 7 wird Spielfilme dann schnell mit Kopierschutz versehen, um Kosten bei den Rechten zu sparen; bald werden alle Verträge zum Programmankauf von Filmen und Serien mit einer Klausel zum Kopierschutz ausgestattet; Plattenfirmen werden eine kopiergeschützte Ausstrahlung von Musikvideos, Live-Konzerten und TOTP-Auftritten verlangen; die Privatsender werden komplett auf Kopierschutz gehen, damit die Zuschauer nicht mithilfe von dann boomenden DVD/Festplatten-Rekordern die Werbung umgehen; und auch die Öffentlich-Rechtlichen werden sicher seriöse Argumente finden, warum man später auf DVD zu vermarktende Eigenproduktionen wie „Berlin, Berlin“ oder „Die Manns“ mit Macrovision bei der Ausstrahlung versieht.

Kampagne rettet die PrivatkopieEine unschöne Zukunftsvision, aber sie reiht sich ein in eine Reihe von Besorgnis erregenden Entwicklungen, in denen der Kommerz vor dem Informationsinteresse liegt. So stellt ish in diesen Tagen sein Analognetz um, schmeißt Programme wie Euronews und XXP zusammen, um Platz für weitere Nichtprogramme wie RTL Shop und 1-2-3.TV zu machen. Privatsender wie RTL sollen zudem Medienberichten zufolge bei einer zukünftigen digitalen Einspeisung zusätzlich kosten. Das Urheberrecht wird indessen erneut verschärft, als Bagatellgrenze für Downloads aus dem Internet soll eine einstellige Ziffer gelten – ganz Deutschland wird kriminalisiert. Bei google findet man den Begriff „Raubkopie“ schon häufiger als „Privatkopie“, und in der Tat gibt es im Bereich von Musik und Film kaum noch etwas, was eine legale Kopie sein könnte. Mittlerweile habe ich auch die Hoffnung aufgegeben, dass Karlsruhe irgendwann noch mal klarstellt, wie wichtig das ehemalige Recht auf Privatkopien ist. Vermeintlich legale Musikstücke aus dem Internet werden dabei immer weiter eingeschränkt, dank „Digital Rights Managment“ sind sie dann nicht mehr im Autoradio hörbar, nur beschränkt auf CD überspielbar und bei Computerwechsel gar verloren, und auch Kauf-CDs und -DVDs werden immer weniger Möglichkeiten zur privaten Weiterverwendung bieten.

Vielleicht waren die alten Radio-auf-Kassette-Mitschnitt-Zeiten doch schöner als die neue, digitale Welt…

[Kopierter Eintrag aus altem Blog.]