Nobbis Blog

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Manchester Pride 2004


















Bin zurück aus Manchester und habe mir mittlerweile wieder angewöhnt, „Danke“ zu sagen statt „Cheers, mate“, und statt „Sorry“ oder „Excuse me“ gar nichts. Bevor ich gleich noch finnische Floskeln auswendig lerne für einen Wochentrip, noch schnell ein paar Eindrücke vom diesjährigen Manchester Pride vor einer Woche – recht lang, da die Zeit zum Kürzen und Würzen fehlt.

Der Nordwest-CSD ist mittlerweile der größte im Lande – wenngleich nicht der beliebteste. Dass man für den Eintritt ins schwule Viertel zehn Pfund (30 Mark!) zahlen muss, stößt vielen zurecht auf. So hält man sich zwar unangenehme, heterosexuelle binge drinker vom Hals, macht mit wenig zusätzlichem Kommerz Gewinn und erwirtschaftet mehr als 100.000 Pfund pro Jahr für Charities, stößt aber viele Gruppen wie beispielsweise ärmeren Studenten vor den Kopf.

Fürs Bühnenprogramm wird das Geld wohl kaum ausgegeben. Ähnlich wie in Deutschland werden regionale „Künstler“ geboten, in Manchester sehen sie zwar besser aus, aber das reicht nicht. Die Kabarett-Bühne, die im letzten Jahr in den noch halbwegs verständlichen Teilen gute Unterhaltung bot, wurde in diesem Jahr größtenteils von Karaoke-Amateuren bestritten. Trotzdem sehr unterhaltsam, zumal auch regionale, richtige Stars wie Morrissey oder Oasis gecovert wurden.

Neben den beiden Bühnen, vielen Info-Ständen, einem Sportfeld und sogar einem Riesenrad und weiteren Kirmes-Attraktionen bleibt das eigentliche Highlight nachwievor die Canal Street, die schwule Kneipenmeile mit Weiterzieh-Atmosphäre, die es andertags auch kostenlos gibt. Hier verbrachte ich die meisten Abende, zumal die meisten Partys zwischen 10 und 20 Pfund – also bis zu 60 DM! – kosteten.

Nur zu Poptastic war ich, dass diesmal in einem großen Parkhaus stattfand. An den speziellen Dress Code – Schoolwear – hielt sich nicht jeder, ich auch nicht, obwohl ich vorher bei ebay nach britischen Schuluniformen gesucht hatte (ich fand nur welche für Girls, und das wollte ich niemanden antun). Die Veranstalter hatten irgendwie Mist gebaut, jedenfalls funktionierte anfangs wohl keiner der Zapfhähne der einzigen Bar, so dass es zu unendlichen Schlangen kam. Man merkte, dass man in Britannien war: ohne verdorbene Laune standen die Kids an, in einer Schlange einmal um die ganzen Wände herum – sogar am Rand der Tanzfläche. Die Veranstalter meldeten sich bis zur Lösung des Problems alle zehn Minuten zu Wort, sagten Sorry und gaben kostenlos Wasser aus.

Der Stimmung tat’s keinen Abbruch. Beste Schulparty-Atmosphäre, dazu nette Pop- und Rockmusik und eben geil-süße Boys in neckischer Schuluniform. Ich lernte Sebastian kennen, der mit liebenswertem Akzent Deutsch spricht. Seine Oma, mittlerweile 90, war mal Sekretärin vom Reichs-Außenminister Ribbentrop und lernte nach dem Krieg einen britischen Soldaten kennen und folgte ihm. Sie hatte zwei Schlaganfälle, nach dem ersten sprach sie nur noch Englisch, nach dem zweiten nur noch Deutsch – so lernte Sebastian die Sprache.

Dass Sebastian trotz Wohnung in Salford dann doch nicht so dolle war, erkläre ich Interessierten gerne mal beim Bierchen, fürs Web ist das zu privat. Wir sind ja auch in Manchester, es gibt noch genügend anderes zu erzählen. Man muss ja nur kurz auf der Canal Street an der Mauer zum Canal angelehnt sein, schon lernt man interessante Menschen mit ihren Biographien kennen – und bekommt einen tieferen Einblick in das schwule Viertel. So unterhielt ich mich mit einem jungen Polen, der früher am Bahnhof Zoo „strichen“ ging, wie er mir in Begleitung eines älteren Herren mit Brieftasche in gebrochenem Deutsch erzählte. Er folte seiner nichts wissenden Mutter nach Manchester und macht nun mehr Umsatz als früher.

Und da war ein älteres Hetero-Paar, das in mir arge Ähnlichkeit zu ihrem Sohn erkannte. Der war vor wenigen Monaten an Aids gestorben. Mit 15 lernte er unaufgeklärt das schwule Manchester kennen, das sich ungeschützt auf ihn stürzte; mit 22 war er tot. Auch ein Grund für eher ungewohnte Tränen bei der Candlelight Vigil am Montag, der einzigen in Europa. Sie ist ein traditioneller Endpunkt des Manchester Pride und ein noch immer aktueller Ruf nach mehr Solidarität und Verantwortung in der schwulen Community.

Pride-Galerie bei Mr Gay Uk
Pride-Galerie bei Key 103
Geschichte des Manchester Pride
(mit alten Fotos der Canal Street!)
Kritik am Kommerz-Pride
Seite des Manchester Pride



Bonustext: Abseits des Pride besuchte ich mal ein paar Vororte von Manchester (Fotos aus Bury rechts) und eines der Uni-Viertel (unten). Da ich ja noch immer mit dem Gedanken spiele, in diese Stadt zu ziehen, traute ich mir diesmal sehr viel zu – auch die Selbstbedienungskasse eines Sumpermarktes in der Innenstadt. Man schiebt die Waren dabei selbst über den Scanner und bezahlt dann am Automaten. Einfach, dachte ich – nach 30 Sekunden Rumhampeln hupte die Maschine und gab plötzlich und lautstark folgenden Spruch von sich: „Assistance needed at the cash point“. Danach ging ich immer zum teureren Mini-Supermarkt in der Nähe des Hotels, in dem mich immer Omis nett und abwechselnd mit „luv“, „dear“ und „son“ ansprachen.

[Kopierter Eintrag aus altem Blog.
Bilder u.ä. waren auf andere Proportionen ausgerichtet.]

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    Kühe umschmeißen

    Jetzt können endlich auch gelangweilte Großstädter Kühe umschmeißen: dank der in verschiedenen Metropolen stattfindenden Cow Parade. Für einen guten Zweck haben Künstler lebensgroße Kühe gebastelt, die wie die Bären in Berlin überall in der Stadt rumstehen und auch gerne mal vom normalen Design der stehenden Kuh abweichen. Sehr schön sind beispielsweise die Puff-Kühe oder Mootina Navratilova. Die hier fotografierten und vorgestellten Kühe stammen von der Cow Parade in Manchester. Mehr aus meiner Lieblingsstadt später.

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    Bilder u.ä. waren auf andere Proportionen ausgerichtet.]

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    Eiliger Brief an den Ordnungsdezernenten

    Sehr geehrter Herr Leonhardt

    In der Rheinischen Post von heute (24. August 2004) musste ich lesen, dass Ihr „Ordnungs- und Servicedienst“ Wahlplakate der „Lemmerliste“ entfernen lässt, nicht etwa, weil diese das Quälen unseres Oberbürgermeisters versprechen und Sie das ärgern könnte, auch nicht, weil Sie plötzlich Ihre Zivilcourage gegen Rechts entdeckt haben sollten, sondern da Sie angebliche Gefährdungslagen feststellen. Abgerissen werde „alles, was die Sicht von Verkehrsteilnehmern behindert (Kreuzungen, Fußgängerüberführungen)“, fasst die RP Ihre Argumentation zusammen.
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    Ich kann dieses Lächeln nicht mehr ertragen

    Dass unser Oberbürgermeister auch optisch eine Zumutung ist, muss ich jetzt jeden Morgen bis zur Kommunalwahl (26.9.!) erleiden. Die CDU hat den Mann mit dem erkauften Lächeln links und rechts von meiner Haustür plakatiert. Angesichts der traurigen Tatsache, dass ein Entfernen oder kreatives Umfunktionieren der unnützen wie den Geschmack und Verstand gleichermaßen beleidigenden Plakate wohl eine Straftat darstellt, sei dies hier virtuell nachgeholt.
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    In Nürnberg

    Vor drei Wochen war ich mal wieder beim zumeist lieben Torsten in Nürnberch zu Besuch. Neben einem wünderschönen Steinfriedhof machte ich auch Bekanntschaft mit einer ömlichen Düsseldorferin.
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    Karten spielen

    Bei BBC Prime läuft derzeit der Mehrteiler House of Cards über einen Chief Wip, der mit allen schmutzigen Tricks versucht, Premierminister zu werden – und zu bleiben. Was anfangs noch ein harmloses Spielchen und viel Rumtaktiererei ist, endet gar in mehreren Morden. Besonderes Amüsement für deutsche Zuschauer: Schauspieler Ian Richardson sieht ähnlich aus wie Edmund Stoiber, und er spielt seinen Francis Urquhart mit einem verlogenem Konservatismus, mit einer Steifheit und einem vieldeutigem Lächeln, dass der Vergleich reinste Freude ist.

    Apropos politisches Kartenspiel: bei queer.de findet sich ein amüsanter Bericht von Dennis über ein Kartenspiel, dass US-Präsident George W. Bush in verschiedensten Fummeln zeigt. Ganze 52 Motive gibt es zu Bush, das Spiel lässt sich im Internet direkt in den Staaten bestellen und kommt mit etwas Glück noch vor der Wahl von John Kerry in Deutschland an.

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    Meet Stefanie Fischer

    fischer (5k image)Auf den Karriere-Seiten der Bundeswehr trifft man zwei Berufsberater, die zu allem eine Antwort wissen. Stefanie Fischer und ihr Kollege Christian Wagner halten, richtig befragt, Folter für gut und Zivis für dumm. Probiert es mal aus. Meine zahlreichen Fragen habe ich als Norbert1976 im Titanic-Forum gepostet, sie sind auch im „Weiter“-Abschnitt dieses Eintrags archiviert.
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    Zum Verzweifeln

    Erwin muss wegMan muss sich als Düsseldorfer sorgen: Unser Grusel-OB Erwin, dem man vor einem Jahr kaum noch Chancen auf eine zweite Amtszeit eingeräumt hat, könnte doch gewinnen. Was für eine Woche: Erwin feiert den neuesten ausgeglichenen Haushalt (ohne die dafür notwendigen Verkäufe zu erwähnen), schenkt allen Erziehenden eine Familienrabattkarte und kündigt laut taz die nächste Arena an. Und Gudrun Hock? Wird vom Wahlkampfmanager verlassen, steht in Fragen Bilker Bahnhof und U-Bahn-Ausbau gegen ihre eigene Fraktion und bekommt dann vom eigens beauftragten Institut Polis eine repräsentative Befragung vorgelegt, wonach Erwin mit 34 zu 29 Prozent vorne liegt. Der Rest der Leute ist angeblich unentschlossen, aber 80 Prozent der CDU-Sympathisanten und nur 68 Prozent der Restwähler inklusive FDP wollen in jedem Fall wählen gehen. Ein führender Sozialdemokrat laut „RP“: „Es wäre für uns schon ein großer Erfolg, wenn Hock wenigstens in eine Stichwahl käme“. Siegesgewissheit sieht anders aus.

    Zum Ablenken

    Zur Abwechslung noch was positives: Der NME berichtete letzte Woche, bereits zwei Monate vor Veröffentlichung sei das neue Libertines-Album in Tauschbörsen erhältlich.

    [Kopierter Eintrag aus altem Blog.]

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