.funkyblue { color:#0000AF; }
I started something i couldn’t finish
14 Nov 08
Die SOKO Leipzig besteht aus vier Kommissaren, die sich um die verschiedensten Fälle kümmern. Eine Prise Humor ist ebenso bei jeder Folge dabei wie Spannung und – wohl das Wichtigste – die Realitätsnähe. Explodierende Autos sind hier fast nie zu sehen, dafür jedoch gute Polizeiarbeit. (fernsehserien.de)
Ich sehe kaum deutsche Krimis, daher kann ich nicht beurteilen, ob die Soko-Leipzig-Folge “Maskenball” (Trailer) vom letzten Freitag selten dämlich ist oder dämlich wie andere Krimis auch. An Kamera und Ton bis hin zur Arbeit des Location-Scouts habe ich nichts zu bemängeln; die Schauspieler sind eingigermaßen so lala, die Regie ist offenbar genügsam. Das Problem: das Drehbuch. Die Dialoge sind unauthentisch bis albern, der Plot hat grobe Fehler und die gesamte Handlung ist äußerst fragwürdig und regelrecht verschenkt. Aber von vorne:
Wir befinden uns in einer bemerkenswert leeren Schwulenbar (es läuft “Fuck the pain away” von Peaches (u.ä.), immerhin). Mann im Fummel – ohne Fummel kein Schwulenkrimi – flirtet mit Mann, der offensichtliche Ex-Freund der Fummeltrine schaut entnervt zu. Mann im Fummel geht. Draußen steht ein junger Mann mit vermutlich türkischer Familienabstammung (im weiteren Verlauf im Sinne der Sendung als Türke bezeichnet), zum Missfallen des Türstehers, der den Jungen null nachvollziehbar zu einem Gesichtsfoto nötigt.
Nächster Morgen: man sieht eine Leiche, die üblichen Polizei-Absperrungen und die üblichen Forensikleute. Kommissar Jan Maybach findet an einem Plakat der Vornachts-Disco Blut (im nicht abgesperrten Hausdurchgang). Offenbar wurde das Opfer mit dem “Kopf gegen die Mauer geschlagen”, vermutet Komissarin Ina Zimmermann. Der Forensikmensch dazu: “Sieht so aus!” Kommissar: “Vielleicht war sie ja gestern auf der Veranstaltung.” Kommissarin, über der Leiche bückend: “Wenn Du glaubst, dass SIE auf der Veranstaltung war, dann hast Du Dich getäuscht. (Lange Pause) Und ich meine nicht die Veranstaltung. Ich meine das ‘Sie’.” Falls die vom Fernsehen generell für dumm gehaltenen Zuschauer nun immer noch nicht verstehen, worum es geht, zieht Zimmermann die Perücke ab. Die Kommissarin ist weiterhin bedrückt, der Zuschauer darf stattdessen lachen: “Er hat geweint. Sein Kajal ist verschmiert.”
13 Nov 08
Morgen folgt ein Beitrag über das gestern und heute auf ITV ausgestrahlte Special der Krimi-Serie “The Bill”, in der die britischen Polizisten zusammen mit den Kollegen der Soko Leipzig (ZDF) ermitteln (bislang grottig). In der Zwischenzeit schnell der Hinweis, dass bis heute (morgen?) in der ZDF-Mediathek die Soko-Folge “Maskenball” abzurufen ist. Die scheint es in sich zu haben: “In Leipzig bekriegen sich eine Gruppe schwuler und türkischer Jugendliche. Anzeigen bei der Polizei werden nicht ernst genommen und so kommt es, wie es kommen muss – die Bombe platzt. Ein Mord passiert.” (Soko Leipzig Blog)
Derzeit aktueller Link zur Folge in der Mediathek
Trailer im Soko Leipzig Blog
Das wäre mal ein zu aktuellen Debatten in der Szene passender Krimi-Beitrag. Bleibt zu hoffen, dass er sowohl Schwulen als auch Türken gerecht wird. Dass das erste Mordopfer eine Transe ist, lässt aber schonmal nichts gutes ahnen. Besprechung folgt. Wenn ich die Mediathek noch zum Laufen bekomme.
18 Aug 08
Vor einiger Zeit habe ich auf queer.de mal über eine Massenhatz auf vermeintlich schwule Emos in Mexiko berichtet. Nun haben auch deutsche, nunja, Rapper den Trend erkannt. Wie die Jungle World in einem etwas wirren Essay (Wie queer ist Emo) berichtet, gebührt dem Jung-Rapper Gin Tonic aus dem toughen Hagen die Ehre, den vermutlich erste deutschen Anti-Emo-Song geschrieben zu haben. Und die Lyrics zeigen die Nähe zwischen neuer Emophobie und der guten alten Homophobie: “es verbreitet sich wie pest, diese fucker / überall lesben in chucks, mit blech in fressen getackert /überall schwuchteln im dragqueen dress, es is stress / für meine augen” Und sterben sollen die Schwuchteln natürlich auch…
Gin Tonic – “Emotionen”
14 Aug 08
Mathias von Gersdorff, der mit seinem Verein Kinder in Gefahr schon seit Jahren für Belustigung bei aufgeklärten Mitmenschen sorgt, macht nun auch Internet-Fernsehen. Bei Youtube gibt es bereits 24 Videos zu bewundern, darunter diese Perlen, die man nicht lange kommentieren muss:
“Kein Eherecht für homosexuelle Paare!”
“E-Mail-Protestaktion an den ZDF wg. der Erotik-Sendungen”
(Das unverständliche Wort in der Mitte hat nichts mit Bareback zu tun sondern ist laut Manuskript “Werbeplakat”)
Und nein, wenn er nicht abliest, ist er nicht weniger steif:
“Verbot kommunistischer Symbole”
Darauf gestoßen bin ich übrigens über den Google-Adsense-Test unten auf der Blog-Startseite. Das System macht bisher freilich nur, Witzchen, Nonsense: Erst gab es Ergebnisse zu Metallhändlern; was muss der Blogbetreiber auch Blech mit Nachnamen heißen. Nun also kirchliche Themen inklusive einer Anti-Gotteslästerung-Aktion Gersdorffs (ich darf nicht zum Klicken darauf auffordern). Ich freue mich schon auf Adsense-Links zu FDP, Politically Incorrect und Dirk Elbers.
29 Jul 08
Es gibt eine schöne Stelle in dem schönen Manchester-Film “24 Hour Party People“, in der Gott Mick Hucknall von Simply Red als “Ginger” beleidigt – als Rothaarigen. Nun habe ich den Film aufgrund originaltonresistenten Freunden mit deutschen Untertiteln gesehen (Synchonfassung gibts nicht), und plötzlich ist Gott homophob: Hucknall wird dort zur “Schwuchtel”. Oh dear.
27 Mrz 08
Thomas Hornauer, Chef des “Senders” Telemedial, berät in diesem Youtube-Worst-of-Zusammenschnitt Zuschauer u.a. zum Thema Homosexualität…
(Via heutiger SZ, Print)
1 Nov 07
Baltimore, 1. November (AFP) - Eine Baptisten-Kirche in den USA muss elf Millionen Dollar Entschädigung an den Vater eines getöteten US-Soldaten zahlen, weil sie auf der Beerdigung des Irak-Kämpfers eine Anti-Homosexuellen-Demonstration veranstaltet hatte. Ein Geschworenengericht in Baltimore gab damit der Klage des Vater Albert Snyder recht, der geltend gemacht hatte, er habe nach dem Aufmarsch der Aktivisten der Westboro Baptisten-Kirche bei der Beisetzung seines Sohnes Depressionen bekommen.
Die Kirche, nunja, die Phelps-Familie hatte zuvor jahrzehntelang ungestört gegen “Fags” demonstrieren können, etwa auch bei der Beerdigung des jungen, bei einem Hassverbrechen ermordeten Schwulen Matthew Shepard. Im Grunde hat die homophobe Irren-Familie jedoch derart provoziert, dass sich selbst Schwulenfeinde auf deren Seite stellten.
Die BBC hat kürzlich die Familie besucht, herausgekommen ist eine sehenswerte/krasse/lustige Dokumentation. Hier eine Art Trailer/Making of bei youtube:
Wer die Kooperation zwischen youtube und BBC auch doof findet und statt einem Vorgeschmack lieber das Originalvideo sehen möchte: die 60-Minuten-Fassung gibts bei Google Video.