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I started something i couldn’t finish
27 Sep 07
1. Da gibt es also eine neue Studie, wonach fast 80 Prozent türkischstämmiger, männlicher Jugendlicher es abstoßend finden, wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen. Dass bei Jungen aus der ehemaligen Sowjetunion auch kein größeres Verständnis existiert und dass vor allem 48 Prozent der deutschen Jungs die gleiche Haltung haben, ist allerdings untergegangen. LSVD und andere Stimmen forderten aufgrund der Studie ein gezieltes Vorgehen bei Migranten.
Das alles verstärkt den Eindruck, dass sich schwule Verbände, Politiker und Journalisten (Feddersen), nachdem das Theme Homo-Ehe durch ist, bewusst über die Angst vor Islamismus profilieren wollen. Soll mir keiner erzählen, das wäre ungefährlich und akzeptabel. Es passt aber in die Zeit: der Islam ist wohl das einzige Thema, das derzeit zunehmend von Political Correctnes ausgenommen wird.
2. PC gone wrong auch in Düsseldorf: Ein grenzwertiger, aber satirischer Scherz von Manes Meckenstock hat dazu geführt, dass seine Stimme auf Antennte Düsseldorf und im WDR verstummt ist. Eine wichtige Stimme, denn Meckenstock hat immer deutlich Stellung bezogen, gegen Ausländerfeindlichkeit genauso wie gegen den hiesigen Oberbürgermeister.
3. Anderes Thema. Dazu möchte ich ganz gerne so schnell wie möglich auf einer der schwulen Indie-Discos tanzen:
The Wombats – Let’s Dance To Joy Division (Direktlink)
4. Apropos Joy Division: ich freu mich schon.
30 Aug 07
Ich bin empört über den Auftritt von Bushido vom Wochenende (als er bei einem Anti-Gewalt-Konzert schwulen Gegendemonstranten den Mittelpfinger zeigte und deswegen vom Publikum auch noch Applaus bekam). Empört bin ich aber auch, nicht zum ersten Mal, über Jan Feddersen. Der hat in der taz mal wieder gehörig den Verstand verloren.
Bushido dürfe sich homophobe Äußerungen erlauben, so Feddersen in einem Kommentar, “weil er durch das Bild vom guten, antirassistisch bedürftigen Migranten geschützt wird”. Das “Irgendwie-ausländisch-Sein” gelte als “Generalpardon” für alles. Das ist Blödsinn, Gesetze gelten für Inländer, Inländer mit Migrationshintergrund und Ausländer gleichermaßen. Was man sich abseits der Gesetze erlauben darf, ist schwierig zu definieren, betrifft im Falle von homophoben Äußerungen aber auch CDU-Politiker, TV-”Komiker” usw.
Vielmehr ist doch das Problem, dass ein Großteil der Gesellschaft, der ansonsten durchaus homofreundlich sein kann, homophobe Sprüche nicht sonderlich ernst nimmt. Schaut man die TV-Bilder vom Samstag, so waren es vor allem weiße Mittelstandskids, die dem Pseudo-Gangster-Rapper zujubelten. Feddersen sollte auch erkennen, dass es Inländer ohne Migrationshintergrund sind, die Bushido den Skandal am Wochenende erlaubten und die generell an ihm verdienen (der Chefredakteur der Bravo, die Plattenbosse von Sony, die dümmlichen Moderatoren von Viva etc.)
Aber das stört Feddersen und einige Gleichgesinnte wenig, der Kreuzzug gegen Migrationshintergründe geht weiter. “Als ob nicht gerade Jugendliche mit migrantischen Hintergründen überwiegend, nicht allein in Berlin, für die Unruhen auf Schulhöfen und in Klassenzimmern einzustehen haben – und der Berliner Entertainer Bushido ist deren Held”, was nicht bewiesen wird. Noch krasser: “Alle seriösen Zahlen sagen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund weniger unter Gewalt zu leiden haben wie beispielsweise homosexuelle Jugendliche.”
Nun gibt es da eigentlich nur die Maneo-Studie zu schwuler Gewalt, die aufgrund ihrer extremen Mängel (etwa: 75 Prozent entfallen allein auf Belästigungen/Beleidigungen, weitere 12 Prozent auf Eigentumsdelikte; 5.3 Prozent der “Gewalt” (!) fand durch Internet oder Briefpost statt; 17,4 Prozent gaben an, bei der homophoben Gewalt nicht als schwul erkennbar gewesen zu sein) nicht ernsthaft als Diskussionsgrundlage und Vergleichsstudie dienen kann.
Jedenfalls scheint das Wir-gegen-Die-Denken einiger Schwuler in Berlin eine neue Stufe erreicht zu haben: den Migrationskids, die fälschlicherweise als Haupttäter von Gewalt ausgemacht werden, wird nun abgesprochen, auch Opfer von Gewalt zu sein. Dabei dürften die bei allen von Maneo ausgemachten Gewaltarten als Opfergruppe weit vorne liegen, und auch bei Gewaltarten, die Maneo nicht berücksichtigt, etwa “strukturelle Gewalt in Form von Benachteiligungen im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt, in der kulturellen Repräsentation” oder im sozialen Niveau, wie sie ein taz-Leser auflistete.
Bleibt die Frage, ob Feddersen demnächst noch auf die Idee kommt, dass Migranten Schwulen die Arbeitsplätze wegnehmen. Die faktenlose Verleumdung einer Minderheit bzw. Volksverhetzung hat er jedenfalls schon gut drauf. Aber als taz-Redaktionsschwuchtel hat er vermutlich ein Generalpardon.
18 Mai 07
“Homophobe Gewalt angestiegen” meldeten in den letzten Wochen einige Homo-Portale und Hetero-Medien. Grundlage war eine Umfrage des schwulen Überfalltelefons Maneo, bzw. eine Pressekonferenz zu den Ergebnissen. Während diese online weiterhin nicht verfügbar sind, gibt es eine chaotische Zusammenfassung von Projektleiter Bastian Finke.
Mir gehen diese Studien von Schwulen Überfalltelefonen schon seit langem auf die Nerven. Hier wird alles zusammengewürfelt, was irgendwie zum Thema Gewalt passt: einzelne Beleidigungen sind für Maneo & Co genausoviel Gewalt wie eine schwere Körperverletzung. Auch von Strichern begangene Delikte kommen vor, ebenso wie Gewalttaten gegen Schwule, die nichts mit deren sexueller Orientierung zu tun haben, etwa Raubübefälle auf offener Straße. Wie soll man mit diesem Statistik-Mischmasch ernsthaft etwas anfangen? Die Studie sagt auch nichts über das Verhältnis zwischen Schwulen und Polizei. Soll ich ernsthaft zur Polizei gehen, nur weil mich im Vorbeigehen jemand Unbekanntes als “schwule Sau” bezeichnet hat? Soll ein junger Schwuler etwa einen Mitschüler anzeigen?
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17 Aug 05
“Die Jugendlichen bilden ein Netzwerk des Heils” – Jugendbischof Franz-Josef Bode laut “SZ”.
Heil Ratzi! Heil Meisner! Das Bild trifft es schon ganz gut. Ich habe mich bisher kaum auf die Straße getraut, schließlich wird der WJT auch in Düsseldorf groß gefeiert und steht auch noch unter mehrfacher Schirmherrschaft von OB Joachim Erwin, was an Zynismus natürlich perfekt zur ganzen Veranstaltung passt. Aber was mir am Montag auf dem Weg zurück vom glaubensbefreiten Manchester über Köln-Bonner Flughafen und Köln-Hauptbahnhof nach Düsseldorf an jubelnden Jungchristen entgegen kam, allein das war schon schwer zu ertragen.
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