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I started something i couldn’t finish
18 Jul 07
Während aufgrund aktueller Vorfälle noch zwei größere Themen zu schreiben sind (Technik vs ich, Madrid vs ich), hier ein paar kleinere Anmerkungen:
Fernsehen “Who do you think you are?” ist eine meiner Lieblingssendungen der BBC. Prominente gehen dort auf die Suche nach ihren Ahnen – zumeist entsteht ein interessantes Charakterportrait und zugleich ein erstaunlicher Einblick in Geschichte. Das ZDF hat das Format jetzt aufgegriffen: “Mariele Millowitsch – Auf der Spur meiner Ahnen” wird heute abend gesendet. Mehr Mut hätte man sich schon gewünscht: die BBC-Primetime-Sendung läuft hier um 23 Uhr, es gibt offenbar erstmal nur zwei Folgen, der Serientitel wird hinter dem prominenten Namen versteckt und online findet man kaum Infos, allein der Link zur Sendungsbeschreibung ließ sich nur über Google finden.
Fernsehen / Musikindustrie Was ZDF-Redakteure unter Aufklärung hingegen falsch verstehen können, ließ sich am Montag bei “Volle Kanne” beobachten. Um zu seinem Thema zu kommen, dem Mitschneiden von Internet-Radios, holte Volle-Kanne-Computerexperte Oliver Klös erstmal weit aus und wetterte gegen “illegale” Downloads aus Tauschbörsen. Allein im letzten Jahr habe es tausende Verfahren gegen Downloader gegeben, behauptete der Experte. Ich habe die genaue Zahl, die er nannte, nicht mehr im Kopf, aber sie wird vermutlich von der Musikindustrie stammen. Die stellte massenhaft Anzeigen, was automatisch zu Verfahren führt. Dass bestimmt 99 Prozent der Verfahren wieder eingestellt wurden, zumeist, weil der “Täter” nicht ermittelbar war, oder auch, weil die Staatsanwaltschaft wie beispielsweise in Düsseldorf auch bei massenhaftem Einstellen von Dateien keine Strafwürdigkeit feststellen will, erwähnt der verschreckte Redakteur freilich nicht, hat er vielleicht auch einfach nicht verstanden.
Dann gibt es noch die zivilrechtliche Seite. Auch hier kam es selten zu Prozessen mit Verurteilungen. Die wenigen armen Leute mussten freilich nur einen Bruchteil der Forderungen der Musikindustrie bezahlen. Auch das hat der Redakteur nicht gerafft, wie man online noch schauen kann:
Moderator: Sach mal, das ist ja wirklich ein großes Problem geworden, diese illegale Musik aus dem Netz. Da geht's dann wirklich ans eingemachte (...) Da muss ja die Elternschaft zahlen (...)
Oliver Klös: Das ist richtig heftig. Da wird dann für jeden Song abgerechnet, als ob ich den an tausend Leute verkauft hätte. Das sind dann paar tausend Euro.
...
Studiogast Bernhard Brink: "Da siehst Du auch, dass wir heute Probleme haben in der Musikindustrie. Durch Downloads (...) gehen viele Umsätze verloren."
Man könnte sich jetzt aufregen über all die falsche Panik-Mache. Oder einfach auf den Tag warten, an dem selbst Klös mitbekommt, dass die Musikindustrie auch das Mitschneiden von Internet-Radios unter Strafe stellen will.
Erwin Der todkranke Düsseldorfer OB Joachim Erwin (CDU) will 2009 erneut antreten. Noch vor wenigen Wochen stellten sich die Parteien auf vorgezogene Neuwahlen ein. Dann kam Erwin aus dem Krankenhaus zurück, kampflustiger und bekloppter wie nie. Ich wage die grauenhafte Prognose: Und wenn er nicht gestorben ist, dann wählen sie ihn auch noch 2009.
14 Mrz 07
Warum müssen Medien im Streit um sogenannte Raubkopien sich eigentlich immer auf die Seiten der Plattenindustrie und deren Pressemitteilungen stellen? Und diese gar verschlimmern? Unter der Überschrift “Jeder Zweite ist ein Raubkopierer” bringt Spiegel Online heute eine Zusammenfassung der neuesten “Brennerstudie” der GfK im Auftrag des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft (Ifpi). Die Pressemitteilung der Ifpi ist weniger sensationell: “Fast jeder zweite Bundesbürger ab 10 Jahren hat 2006 regelmäßig Musik, Fotos, Daten, Filme, Software, Games oder Hörbücher auf die kleinen Silberscheiben kopiert. (…) 70 Prozent aller Personen, die Inhalte brennen, kopieren Musik. Auf Platz 2 mit 67 Prozent folgen private Fotos und Videos mit großem Abstand vor Daten, die von 44 Prozent gebrannt werden.” Also: 70 Prozent von 50 Prozent kopieren Musik, ob legal oder nicht ist dabei auch noch nicht geklärt. “Spiegel Online” berichtet weiter: “Zudem gaben 74 Prozent der Befragten an, sich Musik aus legalen, kostenpflichtigen Angeboten zu laden. Insgesamt also ein durchaus positiver Trend.” Eine Bewertung, die ebenfalls nicht in der Industrie-PM vorkommt.
Vielleicht liegt es auch daran, dass der Druck auf Journalisten ausgebaut wurde. Laut Urheberrechtsgesetz darf ja beispielsweise über Software zum Umgehen von Kopierschutz nicht mehr anleitend berichtet werden, eine bemerkenswerte Einschränkung der Pressefreiheit, über die sich ebenfalls bemerkenswerterweise niemand großartig aufgeregt hat, und Gerichte haben das so ausgelegt, dass Medien entsprechende Software zumindest nicht mehr verlinken dürfen. Und selbst der Presserat rügt, wenn über “illegale” Download-Sites aus China oder Russland berichtet wird (auch eine Ifpi-PM). Wenn man bedenkt, wie selten der Presserat sonst rügt, schon beachtenswert.
Nachtrag, 14h: Spiegel Online hat die Überschrift inzwischen geändert. Sie lautet nun relativ merkwürdig: “Jeder zweite brennt privates”. Im späteren Text steht, “jeder Zweite” aus der Vorjahresstudie habe auch für Freunde gebrannt. Das meint vermutlich jeden Vierten, da nur jeder Zweite überhaupt brennt. Jedenfalls hat Spiegel Online das mal schnell aus der Zusammenfassung der Vorjahresstudie kopiert, und wenn man sich folgende zwei Sätze durchliest, kommt man zur Auffassung, es wäre nur jeder Dritte bzw. Sechste: “Im vergangenen Jahr haben 31,2 Millionen Personen insgesamt 882 Millionen Rohlinge (CD-/DVD-Rohlinge) gebrannt. (…) Fast jeder Zweite brannte Musik auf CD/DVD-Rohlinge für andere Personen auf deren Wunsch. Das entspricht etwa 10 Millionen Personen.” Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist das nicht mal jeder Achte, aber ich will nicht penibel werden…
12 Mrz 07
Es gibt da eine Justizministerin, die mir nicht passt. Etwa, weil Brigitte Zypries zum weiteren Ausbau der Homo-Ehe meinte, man wolle sich da Zeit lassen und warten, bis die Gesellschaft so weit sei – Minderheitenpolitik als Abwarten und Teetrinken mit der vermeintlich ignoranten Bevölkerungsmehrheit, tolle Idee, das.
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22 Feb 07
Hier eine geraubte dpa-Meldung von digitalfernsehen.de, über die ich mich aufgeregt habe. Dass ich gegen die massenhafte Nutzung des Begriffs “Raubkopie” durch die Medien bin, für alles, was auch legal sein könnte oder legal sein müsste, ist nichts neues. Ärgerlich ist, wenn man sich schon sehr anstrengen muss, um in der folgenden Meldung überhaupt zu erkennen, dass die Leute nicht wegen des Herunterladens, sondern offenbar wegen des Verkaufs von Kopien verurteilt worden sind. Wie dumm dürfen (DPA-)Journalisten eigentlich sein?
Bewährungsstrafen für Raubkopierer - "Kein Kavaliersdelikt"
[fp] Mühlhausen - Im Prozess um Internet-Kriminalität mit Raubkopien sind drei Angeklagte am Mittwoch vor dem Landgericht Mühlhausen (Thüringen) zu Bewährungsstrafen zwischen 10 und 23 Monaten verurteilt worden.
Zudem müssen sie knapp 170 000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen. "Solche illegalen Downloads sind kein Kavaliersdelikt", sagte Richter Axel Schur. Die Männer hatten gestanden, hunderte Kopien von Filmen, Musikdateien und PC-Spielen illegal heruntergeladen und vertrieben zu haben. Sie hatten damit illegal 700 000 Euro eingenommen. Das Urteil ist rechtskräftig.
Alle drei Angeklagten hätten letztendlich durch ihre Internetgeschäfte kein Geld verdient, stellte das Gericht fest. Mehr als 600 000 Euro wurden auf einem Konto und in einer Garage gefunden und beschlagnahmt. Den Großteil von etwa 400 000 Euro erhalten die Finanzbehörden zum Ausgleich der Steuerschulden. Den Restbetrag von knapp 200 000 Euro erhält die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), die das Trio angezeigt und die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Nach deren Angaben handelte es sich um den größten Fall illegaler Downloads im deutschsprachigen Raum. (dpa)
Nachtrag: Worum es wirklich geht (die Warez-Download-Plattform FTPWelt und die interessante Beteiligung eines in der Internet-Szene nicht unbekannten Anwalts aus München), berichten u.a. Winfuture und heise. ddp bekommt die Unterscheidung zwischen Downloads und illegalen Geschäften etwas besser hin als dpa.
17 Aug 06
Wer in NRW lebt, wird den Bürgerfunk kennen. Jeder kann dort Radiosendungen für den Lokalfunk produzieren. Engagierte, politische oder soziale Sendungen sind erwünscht, und die Urheberrechte (etwa für die Musik dazwischen) werden als GEMA-Abgaben vom Staat bezahlt.
28 Jul 05
Nachdem ich mich vor wenigen Tagen über die Grünen ausgekotzt habe, sei noch auf Stellen im neuen FDP-Wahlprogramm verwiesen, die sich um das Urheberrecht kümmern. Von der “neuen Bürgerrechtspartei” konnte man natürlich erwarten, dass sie dafür eintritt, dass die Nutzung von Tauschbörsen wieder legal wird, damit nicht Unschuldige mit aller unverhältnismäßigen Härte verfolgt werden. Aber ach, was schreibe ich, es geht natürlich um Wirtschaftsinteressen, da muss wie beim Antidiskriminierungsgesetz der Bürgerrechtsgedanke zurückstehen:
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27 Jun 05
Vor nicht allzu langer Zeit ärgerte ich mich an dieser Stelle über das neue Urheberrecht. Gekonnt in eine Forderung zusammengefasst liest sich das so:
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10 Mrz 05

Vor einem Jahr beglückte und nervte ich die Besucher meiner Geburtstagsfeier mit Musikvideos von der Festplatte, die ich zuvor beim britischen, alternativen MTV 2 aufgenommen hatte. In diesem Jahr wird es dazu nicht kommen, denn das Digitalpaket des Kabelbetreibers ish wird mittlerweile fast komplett mit dem Kopierschutz Macrovision ausgestrahlt. Auch die Sendungen des anderen mir wichtigen Senders, BBC Prime, lassen sich jetzt nur noch verfolgen, wenn man direkt vorm Fernseher sitzt. Aufnahmen der täglichen Soap Eastenders sind beispielsweise unmöglich, sowohl mit einem Festplatten/DVD- als auch einen herkömmlichen Videorekorder.
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